Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
142
 
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Tritte zu hören, ſo aufgelokert und zerriſſen iſt der Soden über ihnen. Chau⸗ mel ruft deshalb binauf, man möge nicht nahe an den Brunnen treten. Ole Nationalgarde vertreibt die Menge, und ſtellt Wachen rund um den Brunnen. Chaumel muß die größten Steine umher zuſammentragen, und eine Art Ge wölbe über den Verſchütteten und ſich ſelbſt bilden, um bei einem neuen ziem⸗ lich wahrſcheinlichen Unglüke die berabfallende Erde abzuhalten. Nach zwei⸗ ſtündiger Arbeit hat er nur noch ein Bein des Maurers freizumachen, aber dies liegt unter einer großen Maſſe, die nur mit großer Gefahr bewegt wer den kann. Er gibt den Bitten des Verunglükten endlich nach, bindet ihm ei⸗ nen Strik um den Leib, und ſordert die Obenſtebenden auf zu ziehen, aber Alles vergebens. Der Fuß des Maurers zerbrach eher, als daß er berauszu ziehen war. Da ergreift Chaumel einen verzweifelten Entſchluß; er ſtekt un⸗ ter jene Maſſe einen Eiſenſtab und hebt daran; die Spalten öffnen ſich unter dumpſem Rollen weit, und die Steine ge. fangen wieder an berabzufallen.

Aber der Maurer kann den Fuß herausbringen und wird bhinaufgezogen. Oben

ſiel er ſogleich in Ohnmacht, und eine Stunde nachher ſtürzte ein Stük Vo den von der Größe eines Hauſes nach.

Schifffahrt von Kola nach Petersburg auf einer Ladia.

Wer in Nußland geweſen iſt, kennt die ſchweren Barken, welche La dias heißen, auf den großen Flüſſen zum Transport der Erzeugniſſe des Innern dienen, und vielleicht von allen Fahrzeugen am wenigſten für das Meer paſſen. Troz den vielen Schwierigkeiten, welche eine Fahrt mit einer Ladia ſchon auf einem Fluſſe gewährt, hatte ein Einwohner von Archangel, Namens Iwan Paſchin, die Kühnheit, von Kola auf einer Ladia, derheilige Nikolaus genannt, mit einer Ladung Fiſche nach St. Petersburg zu fahren, das Nord⸗ cap zu umſchlffen, und ſich den Herbſtſtürmen in dem baltiſchen-und Nord⸗ meere aus zuſezen. Am 27. Oktober kam er in Petersburg an, nach eine 7tä⸗ gigen Fahrt und vielfachen Gefahren, aber doch glüklich. Derheilige Ni⸗ kolaus liegt gegenwärtig vor dem Admiralitätsgebäude und erregt die allge⸗ meine Neugierde, da es, ſo lange Petersburg ſteht, nicht vorgekommen iſt, daß eine ſolche Reiſe auf einer ſolchen Nußſchale gemacht wurde.

Die muſikaliſche Blödſinnige.

In der Salpetrière(einem Narrenhauſe bei Paris) befindet ſich ſeit ihrer früheſten Jugend eine ungefähr 60 Jabre alte Blödſinnige, die ſo ſehr geiſtesſchwach iſt, daß ſie ſich nicht ſelbſt anziehen, nicht reden lernte c., ſon⸗ dern nur grunzende Töne von ſich gibt. Vor einiger Zeit bemerkte man indeß, daß Geſang und überhaupt Muſik einen außerordentlichen Eindruk auf ſie mache; ſie ſingt jede Melodie nach, welche ſie hört, ja führt eine nur ange⸗ fangene, die ſie zum erſten Male hört, paſſend zu Ende und geräth in eint Art von Entzüken, wenn man auf einer Flöte oder einem Piano vor ihr ſpielt. Der ſchnelle Uebergang von den tieſen zu den hohen Tönen wirkt auf ſie wie ein elektriſcher Schlag, und jedesmal, wenn man den Verſuch auch zwanzig⸗