Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
141
 
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unb hlelt das Auge auf das Kreuz des Geiſtlichen gerichtet, hinterlegte übri gens den Weg mit feſten Schritten.

Man hatte dieſen Tag zur Hinrichtung gewählt, weil es ein Markttag war, damit ſo viele Blike als möglich ſich auf ihn richten ſollten.

Mit ernſtem Blik auf das Kruzifix beſtieg er das Blutgerüſte, und nahm ſowohl von dem Geiſtlichen als von dem Nachrichter Abſchied. Als man ihn an der Guillotine feſtband, bat er den Geiſtlichen, das Fünffrankenſtük aus ſei ner Hand zu nehmen, indem er ſagte: Für die Armen! da es in dieſem Augenblike 8 Uhr ſchlug, ſo übertönte der Klang der Gloke ſeine Stimme, der Geiſtliche erwiderte ihm daher, daß er ihn nicht verſtehe. Claude wartete den Zwiſchentaum zweier Schläge ab, und wiederholte ſanft: Nür die Armen!

Der achte Schlag hatte noch nicht ausgetönt, als ſein Kopf gefallen war.

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Jean Queiron, ein Maurer, arbeitete in dem Brunnen der Gemeinde Fleurac. Die Maſchine, welche den Schutt herausſchaffen ſollte, war voll; als er ſie hinaufzieben ließ, wollte er ſich erſt einiger Steine verſichern, die über ibm herabzuſtürzen drohten, er ſtieg deshalb an dem Seile hinauf, und hatte kaum das Drittel der Höhe erreicht, als eine große Maſſe Erde ſich lostrennte und ihn verſchüttete. Man hort ſchreien, man ruft um Hilfe. Der gewöhn lich fünfzig Fuß tiefe Brunnen iſt ein ſchreklicher Abgrund geworden. Selbſt in dem Einbruche ſind noch Riſſe von unergründlicher Tiefe doch hörte man ein halb erſtiktes Aechzen und gibt alſo die Hoffnung nicht ganz auf. Franz Chaumel, 19 Jahre alt, trozt allen Gefahren, um den Verunglükten zu Hilfe zu kommen. Er läßt ſich an einem Seile hinunter, und ſteigt troz den Stei nen und Erdmaſſen, welche jeden Augenblik nachzuſtürzen drohen, in den Brunnen hinab. Schon hat er zwei Stunden gearbeitet, ſchon hat man zwei Karren voll Schutt weggeſchafft. Er iſt nur unweit noch von dem Verſchütte ten entfernt, der ſeinen Eifer durch Bitten und Ermunterungen belebt. Plöz⸗ lich löſt ſich oben ein Stein los, fällt herunter und verwundet Chaumel am Kopfe. Das Blut, die Ermüdung, die Furcht, ebenfalls lebendig verſchüttet zu werden, alles dies bricht ſeinen Muth; er ruft, man ſolle ihn hinaufziehen. Sein mit Blut beflektes Geſicht macht die Umſtehenden beſtürzt, doch ſteigt ein junger Maurer, Bernard Laporte, nach ihm hinunter. Es gelingt ihm, den Kopf und einen Arm des Verſchütteten frei zu machen, der immer mehr auflebt, je weiter er wieder an die Luft kommt. Aber auch Laporte erhält eine bedeutende Wunde am Kopfe, dann blikt er in die Höhe, und die unge heuern, über ihm hängenden Maſſen ſezen ihn in Furcht; ein eiſiger Schauer verdrängt den frühern Eifer, er fühlt ſich ganz geſchwächt und läßt ſich hin⸗ aufziehen. Vei ſeinem Anblike entſteht eine allgemeine Beſtürzung; Niemand will ſich erbitten laſſen, hinunter zu ſteigen. Endlich entſchließt ſich Chaumel, der ſich unterdeß wieder erholt hat, ſich noch einmal hinunter zu laſſen und ſagt:Ich will ihn retten oder ſelbſt umkommen! Bald iſt er wieder bei dem Verunglükten. Beide hören, was man oben ſpricht, ſie glauben ſogar die