Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
132
 
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Das Verhör begann. Man fragte ihn, ob er es ſei, der den Aufſeher des Gefängniſſes von Clairvaux getödtet habe? Er antwortete: Ja. Man fragte ihn: Warum? Er antwortete: Well es mir ſo gefiel.

Indeſſen verſchlimmerte ſich die Wunde plözlich; ein Fieber beſiel ibn, das ihn an den Rand des Grabes brachte. Die Monate November, Dezember und Januar verfloſſen abwechſelnd unter Pflege und Vorbereitungen. Arzt und Richter bemühten ſich mit gleichem Intereſſe um Claude. Die Einen heilten ſeine Wunde, die Andern bauten ſein Blutgerüſte auf.

(Beſchluß folgt.)

Der Wunderknabe Puglieſi.

In einem Privatſchreiben aus Venedig vom 16. Januar heißt es:Ge ſtern hatte ich Gelegenheit, den Wunderknaben Giuſeppe Puglieſi, von deſſen Talent als Kopfrechner ſo viele italieniſche Journale ſprachen, hier bei dem Hru. Profeſſor, Ritter Campana zu hören. Dieſer Knabe iſt aus Palermo gebürtig, und, nach der Angabe ſeines Vaters, etwas über 9 Jahre alt. Er bat auf ſeiner Reiſe durch Unteritallen und durch das lombardiſch-venetianiſche Königreich überall, wo er ſein Talent zur Schau brachte, das böchſte Erſtau⸗ nen erregt. Ungeachtet er(nach der Angabe ſeines Vaters) nicht rechnen ge lernt bat, löſet er doch ſede Rechnungsaufgabe, obne Beihilfe der Feder oder des Bleiſtifts, in kurzer Zeit. Noch mehr Erſtaunen erregt das Talent dieſes Knaben, wenn man ſieht, daß derſelbe, während er mit der Löſung einer Aufgabe(im Zimmer auf- und abgehend) beſchaftigt iſt, von Zeit zu Zeit mit dem einen oder dem andern Anweſenden ſpricht und mit ihnen ſcherzt. Am 21. d. M. batte Puglieſi in dem bleſigen Theater Apollo ſeine Rechnungs fa⸗ bigkeiten dem Publikum gezeigt. Er bat ein angenebmes Aeußere, und zeigt in der Konverſation einen ſeinem Alter weit voreilenden Verſtand. Er iſt von verſchledenen Kunſtinſtituten mit Medaillen beehrt worden, welche er auf ſei ner Bruſt trägt. ö

a Die Wolfsjagd in en 1 In Rußland verfolgt man die Wölfe nicht mit einer Meute Hunde,

weil dies der großen Zahl der Wölfe wegen zu gefährlich ſein würde. Man verfährt auf folgende Weiſe: acht oder zehn Jaͤger vereinigen ſich, wohl be waffnet, in einem Schlitten und nehmen ein kleines Schwein mit, welches ſle in einen Sak an einem langen Strike thun. Kommen ſie in den Wald, ſo werfen ſie den Sak mit dem Schweine aus dem Schlitten, laſſen den ganzen Strik nach und ziehen es binter ſich drein. Die Wölfe, welche das Geſchrel des Schweins hören, laſſen nicht lange auf ſich warten; ſie kommen bäuſig in Schaaren, um ihr Opfer zu erhaſchen, und die Jäger, die ſich verſtekten, er ſchießen ſie leicht. Die Wölfin iſt im Winter immer von vielen Liebhabern begleitet, und die Jäger müſſen deshalb ſtets mehrere geladene Flinten vor- räthig haben, um den wilden Beſtien Stand halten zu können, die bäuſig ganz wüthend werden. Es iſt nicht ſelten, daß bei ſolchen Gelegenheiten in

vier bis fünf Stunden fünfzig bis ſechzig Wölfe erlegt werden. 8 9 8 1 714