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Teitung der Novita
Miszellen.
Preßburg. Wie alljährlich, ſo hat auch heuer Herr Joſeph Pa— tachich, Senator und Reichstagsde— putirte der k. Freiſtadt Peſth, ſeine Gefühle beim hohen Geburtsfeſt Se. M. des Kaiſers und Königs durch ein äußerſt kunſtvolles lateiniſches Gedicht eben ſo ſinnig als entſprechend ausge— drükt. Das Gedicht iſt Achroſtikon und Chronoſtikon zugleich und hat zum Anfang der Verſe die Worte:„VI- Vat Franclscys, VIgeat Las gLorla Mun b! N.
Carlsburg. Das Geburtsfeſt S. M. des Kaiſers und Königs wurde bier von Seite unſers Stadtmagiſtrats ſehr ſolenn begangen. Unter anderem wurde in dem größern Rathsſaale eine Tafel für 60 Perſonen veranſtaltet, wobei der Obernotär dieſer k. Frei⸗ ſtadt, Hr. Aloys v. BVüff, vor dem Bildniß S. M. den Haupttoaſt an⸗ ſtimmte und dabei eine in trefflichem Latein verfaßſte Anrede hielt. L.
Wien. Saphir fährt fort die Theaterzeitung mit ſeinen geiſt- und und eee zu be⸗ reichern. So eben ha rill⸗ parzer, oder viemehr dieſer mit ihm, einen kleinen Strauß angebun— den. Das Corpus delieti iſt ein Luſt⸗ ſpieldichter, oder Luſtſpiel macher, dem Saphir mit vollem Recht die Mit⸗
telmäßigkeit zugeſprochen, und den nun
unſer tragiſche Dichter in Schuz nimmt. Er möchte gerne aus ihm ei— nen guten oder gar fehlerloſen Dichter machen!— Was erleben wir nicht Alles in unſern Zeiten, wenn ſogar Männer wie Grillparzer dem Pu⸗ blikum weiß machen wollen, daß Werke, wie das„Liebesprotokoll“,„die Be—
ten und Anſichten.
kenntniſſe“,„Ferd. Walter“ de., die bie und da blos wegen der guten Dar⸗ ſtellung einige Theilnahme erregten, und für die das Epithet Mittel⸗ mäßigkeit faſt noch zu hoch klingt, gut und fehlerlos wären!— Sind doch die „Ahnfrau“,„Sappho“,„König Otto— kar““,„der Traum ein Leben“ nicht ſo ganz gut und fehlerlos und wie er⸗ haben ſtehen ſie über Produkte obenge⸗ nannter Art! Das wird doch ernge— ſtanden werden! A—. Paris. Am 9. d. M. früh brach⸗ te ein Arbeitsmann eine Anzahl von Kleidungsſtüken zum Verkauf zu einem Trödler. Dieſer drehte die Taſchen einiger Kleider um, um ſich von dem Zuſtande derſelben zu unterrichten, und fand dabei ein Paket mit Adreſ⸗ ſen, die den Namen eines Hutmachers Babois in der Straße des Roſiers ent⸗ hielten. Dies erregte Verdacht, daß die Kleider nicht auf rechtem Wege in die Hände des Arbeiters gekommen ſein möchten, und da der Verkäufer ſehr verwirrt antwortete, hielt der Tröd— ler ihn an, und ließ die Polizei rufen. Ein Polizei-Kommiſſär begab ſich ſo⸗ fort nach der Wohnung des Herrn Ba⸗ bois, wo er die Nachbarn ſehr beun ruhigt fand, daß derſelbe ſich ſchon ſeit mehreren Tagen nicht habe ſehen laſ— ſen. Sein Zimmer wurde hierauf er— brochen, und man fand ihn mit einer Axt erſchlagen auf dem Boden liegen. Der Verhaftete wurde als ein Mann des 22ſten Füſelier-Regiments erkannt, der auf Urlaub war, und von dem Er⸗ mordeten als Arbeiter angewendet wor- den war. Er läugnete zwar ſeſt, den Mord begangen zu haben, wurde aber ins Gefängniß geführt, und mit ihm zugleich eine Frauensperſon, mit der er lebt, und die der Theilnahme an der Mordthat verdächtig iſt. B.


