Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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an Aerzten, ſo verwundert man ſich, daß Berlin bei einer Vevölkerung von 252,000 Seelen deren nicht ganz 250 bat, in welcher Zahl aber freilich die ſogenannten Chirurgi forenses, die Stadtwundärzte erſter und zweiter Klaſſe, nicht mit eingeſchloſſen ſind. Privilegirte Apotheker haben wir 30, Auf jeden Apotheker kommen ungefähr: 1 Branntweinbrenner, 4 Deſtillateurs, 5 Kon biteren, eben ſo viele Weinhandlungen, an 9 Schenkwirthſchaften und 4 Ta⸗ bagien, welche alle jenen beſtens in die Hände arbeiten. 18 Einwohner be ſchäftigen ſich ausſchließlich mit dem Blutegelverkauf. Für die Verbreitung der Wiſſenſchaften ſorgen 54 Buchhändler, 25 Antiquare und 1 Landkarten⸗ handlung, für die Vertreibung der Langeweile 38 Leibbibliotheken. Privat⸗ lehrer gibt es über 300, wovon faſt die Hälfte aus Muſiklehrern beſteht; die Fortepianofabriken ſtehen damit in Verhältniß, es gibt deren 56. Maler nen nen ſich über 200 hier, darunter 50 Porzellan- und 2 Glasmaler; Kupferſte⸗ cher gibt es 64, und lithographiſche Drukereien 26, hierunter iſt das kön. li thographiſche Inſtitut mit einbegriffen. Bildhauer zählt Berlin 45, Maſchi nenbauer 36. Wie zahlreich die Vatrimonkalgerichte bei uns noch ſind, davon

zeigt die Anzahl derſelben in der Hauptſtadt allein, es ſind deren 82. Eines

derſenigen Gewerbe, welche am meiſten darniederliegen, iſt das der Juweliere

und Goldarbeiter, was Wunder aber auch, es gibt Arzu niche weniger als 240, während bei der Konkurrenz mit dem Auslande kaum für den dritten Theil Veſchäftigung genug da iſt. Drei Leute geben ſich mit einem ſeltſa men Geſchäfte ab, ſie verleihen nämlich, nicht etwa Geld auf Pfänder, ſon⸗ dern Kleider für Geld! Man kann ſie als Coſtümirer unſerer VorſtadtBälle betrachten. Troz dem berüchtigten Sandboden unſerer Mark ernähren ſich doch bier an 300 Gärtner von den Erzeugniſſen ihres Vodens. Am überfüllteſten

von allen Gewerben aber iſt das der ſogenannten Viktualienhändler. Es ſind

dies Leute, welche gewöhnlich eine Kellerwohnung inne haben, und Käſe,

Schinken, Branntwein, Weißbier im Kleinen verkaufen. Ueber 800 ſolcher Keller haben wir ſchon, und noch iſt die Zahl immer im Steigen; denn jeder Hausknecht, der ſeiner Arbeit müde iſt, bindet eine blaue Schürze um und wird Viktualienhändler. Einen ſehr unangenehmen Eindruk hat ein Arti⸗ kel der Voſener Zeitung gemacht, welcher von einem Juden erzählt, der einem Hirtenjnngen mit einem Meſſer die Hand aufſchlizte und dabei an den alten Aberglauben erinnert, daß die Juden das Blut von Chriſtenkindern zu gewiſ ſen Zweken brauchten. Es iſt dies um ſo auffallender, da dieſer Artikel in dem Blatte einer Stadt ſteht, die eine ſo ſtarke Anzahl von Juden hat, de⸗

ren Gefühle bei einer ſolchen empörenden Hindeutung auf das Tiefſte gekränkt

werden mußten.

Die Apollo Lyra.

f Dieſes in ſeiner Art originelle Inſtrument iſt von dem Erfinder, Hrn, Ernſt Leopold Schmidt aus Heiligenſtadt in Preußen, vor etwa 2 bis 5 Jah⸗ ren verfertigt und ſeitdem bedeutend vervollkommet worden. Urſprünglich liegt deuſelben die Idee des von Weinreich erfundenen Pſalmelodicons zu Grunde; die darin angebrachten Verbeſſerungen berechtigen indeſſen Hrn. Schmidt,