Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
124
 
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ſelben.Wer kann mir ein Beit leiben 2. fragte er. Wozu? war die Ant⸗ wort. Um dieſen Abend den Aufſeber D. damit umzubringen, erwiderte er kurz. Man bot ihm mehrere Beile zur Auswahl dar. Er nahm das klein⸗ ſte, verbarg es in der Taſche ſeiner weiten Beinkleider und verließ den Saal. Sieben und zwanzig Sträflinge befanden ſich in demſelben. Keinem hatte er Stillſchweigen auferlegt; alle beobachteten das tieſſte Geheimniß. Selbſt unter ſich ſprachen ſie nichts davon. Jeder harrte deſſen, was geſchehen würde.

Eine Stunde ſpäter näherte ſich der Sträfting Faillette dem Claude Gueur, und fragte ihn, was er denn in ſeinen Beinkleidern verſtekt habe Claude autwortete: ein Beil, um dieſen Abend Herrn D. damit zu toͤdtenz ſieht man es denn? fügte er noch hinzu. Etwas, erwiderte Falllette.

Der Reſt des Tages verfloß wie gewöhnlich. Um 7 Uhr Abends ſchloß man die Sträflinge je abtheilungsweiſe in ihre Werkſtätten ein; die Vorge⸗ ſezten ließen ſie allein bis zur Zeit der Runde des Aufſehers, wie dies jeden Abend geſchah. f * Claude Gueux fand ſich daher mit ſeinen Handwerksgenoſſen in Einem Saale eingeſperrt.

Sofort ereignete ſich hier eine außerordentliche Szene, die vielleicht ein zig in ihrer Art iſt. 0

Es befanden ſich hier, wie es ſich ſpäter aus der Unterſuchung ergab, 82 Diebe, Claude Gueur mit inbegriffen. Sobald die Vorgeſezten den Saal verlaſſen hatten, trat Claude auf ſeine Bank und erklärte ſeinen Genoſſen, daß er etwas zu ſagen habe. Sogleich herrſchte allgemeine Stille. Hierauf ſprach Claude mit lauter Stimme:Ihr Alle wißt, daß Albin mein Bruder war. Ich werde von dem, was man mir hier zu eſſen gibt, nicht ſatt. Selbſt wenn ich das wenige, was ich verdiene, nur auf Brod verwenden wollte, würde es nicht hinreichen. Albin theilte ſeine Portion mit mir. Anfangs liebte ich ihn, weil er mich erhielt, ſpäter, weil er mich liebte. Herr D. hat uns ge trennt. Ihm konnte wohl wenig daran liegen, ob wir beiſammen blieben oder nicht. Allein der Aufſeher iſt ein böſer Menſch, der in den Qualen Anderer ſeinen Genuß findet. Ich habe Albin von ihm zurükverlangt; ihr waret Zeu gen, daß er nicht einwilligte; ich ſezte ihm eine Friſt bis zum 4 November; dafür hat er mich in den Kerker geworfen. Während dieſer Zeit habe ich Ge richt über ihn gehalten und ihn zum Tode verurtheilt.) Heute iſt der 4. November. In zwei Stunden wird er ſeine Runde machen. Ich benachrichtige euch, daß ich ihn tödten werde. Hat Einer etwas dagegen einzuwenden?

Alle beobachteten tiefes Schweigen. f

(Fortſezung folgt.)

Bir lui d e r 8

Folgendes ſind einige, vielleicht nicht unintereſſante, Data über Ber Uns Statiſtik im Jahre 1835. Es gibt hier nicht weniger als 24 Aſſekuran⸗ zen und Agenturen, die Aachener Geſellſchaft hat deren allein 4. Hoſpitäler hat Berlin 16. Wenn man die allgemeinen Klagen hört, wegen Ueber füllung

*) Wörtlich die Ausdrüke Claude's.