Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
122
 
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er ſeine grobe Müze ab, knäöpfte ſein graues Wamms, dle traurige Livree von Clalrvaup, zu denn es iſt Grundſaz in den Gefängniſſen, daß ein ehrer⸗ bietigſt zugeknöpftes Wamms die Vorgeſezten günſtig ſtimmt. Mit der Müze in der Hand ſtand er aufrecht am Eingange zu ſeiner Bank und wartete das Vorübergehen des Aufſehers ab. Als er vorüber war, ſagte Claude:Herr D.! der Aufſeher hielt an und drehte ſich halb um.Iſt es wahr, Herr D., ſagte Claude,daß man Albin eine andere Wohnung angewieſen hat? Ja, antwortete der Auſſeher.Herr D., fuhr Claude fort,ich bedarf Albin's, um zu leben. Sie wiſſen, daß die Portion des Hauſes mich nicht ſatt macht, und daß Albin ſein Brod mit mir theilte.Das iſt ſeine Sa⸗ che, entgegnete der Aufſeher.Wäre es nicht möglich, Albin und mich in dieſelbe Wohnung zu verſezenUnmöglich, die Verfügung iſt bereits getroffen.Von wem 2Von mir.Herr D..., Leben oder Tod hängt für mich davon ab, und bei Ihnen ſteht es, darüber zu entſcheiden. Ich nehme eine einmal getroffene Verfügung nie zurük.Herr D., habe ich Sie je mit irgend et was beleidigt?Niemals.Warum trennen Sie mich alſo von Albin?Weil es mir ſo gefällt.

Nach dieſer Erklärung ſezte der Aufſeher ſeinen Weg fort.

Claude ſenkte das Haupt und anwortete nichts mehr. Beklagenswerther Löwe im Käfig, dem man ſeinen Hund nahm!

Es verdient übrigens erwähnt zu werden, daß der Kummer über dieſe Trennung den gewiſſermaßen krankhaften Heißhunger des Gefangenen um nichts verminderte. Es ſchien überhaupt keine Aenderung in ihm vorzugehen. Mit keinem ſeiner Kameraden ſprach er von Albin. In den Erholungsſtunden ging er für ſich im Hofe auf und ab und hatte Hunger. Dabei bliebs.

Diejenigen, welche ihn genauer kannten, bemerkten auf ſeinem Geſichte etwas Unheimliches und Oüſteres, das ſich von Tag zu Tag vermehrte. Uebri⸗ gens war er ſanfter als je.

Mehrere erboten ſich, ihre Portion mit ihm zu theilen, aber er verwei gerte es lächelnd. 5

Seit jener Erklärung, welche ihm der Aufſeher gegeben hatte, that er jeden Abend etwas, das von Seite eines ſo ernſten Menſchen in Erſtaunen ſezte. In dem Augenblike nämlich, in welchem der Aufſeher auf ſeinem ge⸗ wöhnlichen Gang vor ſeinem Plaze vorüberging, ſchlug Claude die Augen auf und ſah ihn feſt an. Hierauf richtete er mit einem Tone voll innerer Be klemmung und Grimm, der eben ſo viel mit der Bitte als mit der Drohung gemein hatte, nur die zwei Worte an ihn:Und Albin 2 Der Aufſeher ſtellte ſich, als habe er nichts gehört, oder er ging weiter, indem er die Ach ſeln zukte.

Dieſer Menſch hatte Unrecht, die Achſeln zu zuken, denn allen Zuſchau ern bieſer ſonderbaren Szene war es klar, daß Claude Queux innerlich zu irgend etwas entſchloſſen ſei. Das ganze Gefängniß ſah mit Vangigkeit dem Reſultate dieſes Kampfes zwiſchen Eigenſinn und Entſchluß entgegen.

Es ward durch Zeugen beſtätigt, daß Claude unter Anderem einmal zu dem Aufſeher ſagte:Herr D., ich birte darum, geben Sie mir meinen Ge fahrten zurük. Ich verſichere Sie, Sie würden wohl daran thun. Merken Sie ſich, daß ich es Ihnen ſagte.