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dritte Verſon, ſtel, and zerſchlug im Fallen die Glasſcheiben in der Thür
des Zimmers, wo ſich der junge Menſch befand. So drang ſcharſe friſche Luft ein, und der junge Mann wurde ge⸗ rettet. Man fand einen offenen Brief vor ſeinem Lager, worin er der Ge—⸗ liebten ſeine Leidenſchaft geſteht und Abſchied von ihr nimmt. B. London. Mehrere engliſche Journale ſprechen von dem Tode eines Stärk⸗Fabrikanten, der jedem ſeiner zehn Kinder eine Million hinterlaſſen babe. Das Geheimniß, wodurch der⸗ ſelbe ſein ungeheures Vermögen er— warb, beſtand darin, daß er die Ueber⸗ dleibſel von ſeiner Fabrikation mit an⸗ dern Subſtanzen vermiſcht, zur Mäſtung von Hausthieren benuzt zu haben ſcheint. Früher warf man dieſe Reſte weg, und ſie wurden ſogar zuweilen die Urſache einer gefährlichen Anſtekung in der Nachbarſchaft. Dieſe Reſiduen beſtehen vorzüglich in Gallerten, welches der näh— rendſte Theil des Getreides iſt. Der gedachte Fabrikant mäſtete damit allein 4000 Schweine jährlich. M. Berlin. Das alte Jahr endete in Berlin mit einem tragiſchen Vor⸗ fall. Wiewohl die Zeitungsanzeige von einem Herzkrampf redet, unterliegt es dech keinem Zweifel, daß bie 26jäh⸗ rige, blühende, geiſtvolle Gattin eines daſigen jungen lyriſchen Dichters ſich durch einen Stich ins Herz ſelbſt das Leben genommen hat. Das Werkzeug, der Dolch, befindet ſich in den über den Selbſtmord geführten Akten des Kammergerichts. Sie benuzte die Zeit, während der Mann im Konzerte war, in das ſie ihn angetrieben, zu gehen, zu der unſeligen That, welche mit ei⸗ ner ſeltenen Veſonnenheit ausgeführt wurde, Nachdem ſie das Dienſtmädchen ſortgeſchikt, wuſch ſie ſich von Kopf bis zu Fuß, kleidet ſich rein und weig, legte ſich auf das Bett, und mit ei⸗
nem anatomiſchrſtudlerten Stoß bohrte ſie den Dolch von unterhalb des Her⸗ zens hinauf in deſſen Mitte. Ihr Schmerz kann nur von der kürzeſten Dauer geweſen ſein. Auf ein tiefes Todesſtöhnen, welches die Nachbarn hörten, erbrach man die Thür, und fand ſie in dem oben beſchriebenen Zu⸗ ſtande auf dem Bette liegend. Erſt als der Arzt kam, entdekte man, daß es keine Kranke, ſondern eine Todte war. Der Dolch, wenig blutig, lag im Bette. Ihre Wunde bielt die Todte mit der Hand und einem weißen Tuche zugedrükt, und ſo krampfhaft ſeſt, daß ſelbſt dies Tuch wenig Blutſpuren ent⸗ hielt. Ueber die Veranlaſſung dieſes Selbſtmords ſind die verſchiedenartig⸗ ſten Entſtellungen im Umlauf. Zu Tage liegt nur ſo viel, daß beide Gat— ten, welche die inulgſte Liebe verbun⸗ den, in einer dauernden Selbſttäu— ſchung, oder, wenn man will, Betrug gelebt. Beide exzentriſch von dem Glük träumend, das in der reinen Liebe und dem Geweihtſein durch die höchſten Ideen der Kunſt und Poeſie ruhe, glaubten in ihrem kühnen Fluge Her⸗ ren zu werden der irdiſchen Wirklich- keit mit ihren jämmerlichen Anforde— rungen. Es blieb eine kinderloſe Ehe; die Ehe, die Verbindung zwiſchen der Idee und dem Leben fehlte. F. Kopenhagen. Der Homöopa— thie iſt in Dänemark ein Schimpf an— gethan worden. Der Homöopath Pabſt ſoll wegen dreimal begangener Quak— ſalberei vom höchſten Gericht zu ein⸗ jähriger Verbeſſerungsſtrafe verurtheilt worden ſein. M. Münſter. Am 23. Dez. kam im Kirchſpiel Stadtlohn(Regierungs⸗ bezirk Münſter) eine ſeltene Mißgeburt zur Welt; ein gehörig geſtaltetes Mäd⸗ chen mit Waſſerkopf, einem einzigen großen Auge, welches die Gegend der Naſenwurzel einnimmt, einer mißge⸗


