Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
117
 
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Revllen ſah man ſie mit ihrem Kreuze einherſtolziren und zur Linken des Re⸗ giments mit aufmarſchiren, ſo alt und ſchwach ſie auch war.

N Ein ſeltſamer Verſuch zum Selbſtmor de. Selbſtmord iſt vielleicht nicht die rechte Bezeichnung für die That, wel che wir berichten wollen, ſie iſt gewiſſermaßen ein Mittelding zwiſchen Selbſt mord und Todtſchlag. Die Szene iſt der Kirchhof zu Arras. Man geleitete einen Verſtorbenen zur lezten Ruheſtätte, ſtaunte aber ſehr, als man an das Grab kam, und darin ſchon einen Menſchen einen lebendigen liegen ſah. Vergebens machten der Todte oder vielmehr deſſen Freunde das Näherrecht auf das Grab geltend, der Lebende wollte durchaus zuerſt begraben ſein. Um den⸗ ſelben vielleicht auf andere Gedanken zu bringen, warf ihm der Todtengräber einige Schaufeln voll Erde auf den Leib, aber er beſtand die Prüfung, blieb ruhig im Grabe liegen, und man mußte Gewalt brauchen, um den neuen Lazarus herauszubringen. Als er wieder auf der Erde ſtand, meinte er:nun, wenn ihr mich nicht begraben wollt, ſo ſpringe ich in das Waſſer. Man bat ihn, bis den nächſten Tag zu warten, und an dieſem willigte er ein, obgleich er ſo feſt entſchloſſen geweſen war, zu ſterben, die Vürde des Lebens noch länger zu tragen.

Der lezte Mann.

In Lincoln gibt es eine Geſellſchaft, welche derlezte Mann heißt. Jyr Zwek iſt ziemlich ſeltſam. Bei der Bildung des Klubs legte man eine Flaſche Wein in einen Keller, und alle Jahre wird der, welcher ihr Hüter ſein ſoll, durch das Loos ernannt. Dieſer Hüter gibt zu Weibnachten allen Mitgliedern des Klubs ein Mittags- oder Abendeſſen. Die Flaſche ſoll aufbe wahrt werden, bis von der Geſellſchaft nur noch Einer übrig iſt, und dieſer, der lezte Mann, leerte ſie zum Andenken an ihre Freunde.

Leitung der Novitäten und Anfichten. Miszellen.

Paris. Der Streit der Homöo

thie zu beweiſen, unter der Bedingung jedoch, daß der Fall nicht ſchon durch allopathiſche Behandlung zu ſehr ver ſchlimmert ſei. Die Gazette erklärt

pathie und Allopathie ſcheint, ſeit die mediziniſche Akademie und das Journal des Debats ſich ungünſtig gegen erſtere geäußert, auch in Frankreich Lärm ma⸗ chen zu wollen. Der homöopathiſche Arzt, Dr. Achille Hoffmann, erklärt heute in der Gazette, er ſei jeden Tag bereit, vor ſo viel Zeugen als man wolle, die Wirkſamkeit der Homsopa

weislich, ſie verſtehe nichts von der Sache, rathe aber Jedem, den Erfolg abzuwarten, ehe er vorſchnell abur theile. Uebrigens wird die Homöopa thie in Frankreich bis jezt hauptſäch⸗ lich an Pferden ausgeübt. B. Paris. Außer der Manie des Selbſtmordes, die in Frankreich noch immer zahlreiche Opfer hinrafft, be⸗