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In der Schlacht bei Leipzig, den 18. Okt. 1815, batte das zweite fran⸗ zöſiſche Artillerieregiment 3 Stük Kanonen und ſeine Fahne eingebüßt. Drel Fähndriche waren nach einander gefallen; aber kaum batte man die Fahne ver— loren, ſo erkämpfte man ſie alsbald wieder, ſo erbittert war der Kampf. Ein gewiſſer Mathias, Sergent der erſten Kompagnie des vierten Bataillons, ſtürzte ſich von Neuem auf den Feind, und jagte ihm die Fahne wieder ab; allein ein vierter Angriff erfolgte, und der brave Mathias fiel mit ſeinen Ka— meraden, wobei er noch ſterbend dieſelbe Fahne, die gleich ihm von Flinten und Kartätſchenkugeln zerſchoſſen war, an die Bruſt preßte. Da ſtürzte ſich plözlich ſeine Frau, eine alte gute franzöſiſche Marketenderin, auf den Adler und tritt dann eilig mit dem Ueberreſte der Kanoniers, welche vom Blutbade verſchont geblieben, den Rükzug an. Es war nur noch ein kleiner Haufe, da das ganze vierte Bataillon theils gefallen, theils verwundet, theils zu Ge— fangenen gemacht worden war. Die Artilleriſten ſammelten ſich und ſchloſſen ibre gelichteten Reihen wieder, und die Mutter Matheſen(ſo nannte ſie je— dermann) nahm ihren Poſten zur Linken des Regiments wiederum ein, als ſie den Oberſten erblikte, der weinend ſich vor den Kopf ſchlug.„Was fehlt denn unſerm Oberſten?“ ſprach die Alte zum Adjutantmajor Maillet.„Ein fran— zöſiſcher Offizier weint, pfui, er ſollte ſich ſchämen!... Während ich, die ich meinen armen Mathes verloren babe, keine Thräne vergieße; denn dazu wäre ich viel zu ſebr aufgebracht; aber ſie ſollen dafür büßen. Mein armer lieber Mann J... O ſchaut doch einmal hin, Major, wie der Oberſt weint! Er heult wie ein Rekrut, weil er ſein Regiment verloren hat. Dadurch wekt er ſſe nicht wieder von den Todten auf, habe ich da nicht Recht, Major?“„Du weißt es alſo nicht,“ erwiderte Herr Maillet,„daß wir unſern Adler verlo— ren haben!“„Dam', wenn die Kartätſchen- und Flintenkugeln ihn fortge— riſſen haben, ſo iſt doch das ſeine Schuld nicht.“„Schweig, altes Thier, denn du verſtehſt nicht, daß ein Regiment, welches keinen Kukuk mehr hat, ſeinen Namen verliert.“„Seinen Namen verliert!.“ Ich will nicht mehr zu einem Regimente ohne Namen gehören. Gehen Sie, Major, und ſagen Sie dem Oberſten, er ſolle ſich tröſten und hierher kommen, um mit der Mutter Matheſen einen Schnapps zu trinken, ſie würde ihm auch ſeinen Kukuk wie— der zur Stelle ſchaffen.“„Wo wäre er denn?“ rief der Oberſt, der dieſe lez— ten Worte vernommen hatte.„Unter meinem Roke habe ich ihn.. Da iſt er, hier habt Ihr ihn, Oberſt... Ich habe den Kukuk gerettet, aber den Va⸗ ter Mathes verloren!..“„Wohlan, tröſte dich,“ ſprach der Oberſt, ſie um— armend,„und ſei ruhig: ich will dir in meinem Regimente einen viel jüngern Oatten aus ſuchen.““„Jüngern, das iſt wohl möglich,“ erwiderte die Marke tenderin, ihre Hand auf das Herz legend;„aber nimmermehr wird er mir meinen armen Mathes erſezen.. Ich werde mich aber rächen, ſo viel iſt ge— wiß.“ Da band der Oberſt ſein eigenes Kreuz der Ehrenlegion ab, und ſchmükte damit die Bruſt der braven Marketenderin mit den Worten:„Nimm mein Ehrenkreuz, du ſollſt es von nun an tragen, denn du haſt es verdient, und der Kaiſer wird es beſtätigen.“ Später, im Jabre 1825 befand ſich die Mutter* zu Toulon; ſie war die Mutter des Regiments. Bei allen
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