Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
112
 
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linge wurden bei der heiligen Taufe mit den allen biedern Würtembergern theuren Namen Pauline Wilhelm Karl ausgezeichnet. H.

Paris. Ein Arbeiter in einer Pariſer Fabrik war kürzlich eine ganze Woche lang ausgeblieben, um ſich, wie bald heraus kam, dem Trunke und ei nem ausſchweifenden Leben ganz nach Bequemlichkeit zu überlaſſen. Zur Strafe dafür beſchloſſen ſeine Kamera den, den Abweſenden im Bilde aufzu hängen, und ihm dann eine ſpaßhafte Todtenfeier zu halten. Dies geſchah; man verſchaffte ſich einige ſeiner Klei der, legte dieſe einer Puppe an, hing dieſelbe eine Zeit lang auf, und nahm ſie dann in ein Wirthshaus mit, wo das Begräbniß vor ſich gehen ſollte. Unterdeſſen begegnete zufällig ein Be kannter dem Arbeiter, und erzählte ihm, was mit ſeinem Ebenbilde ge trieben worden. Dieſer, der beſorgte, fortan die Zielſcheibe des Spottes ſei ner Kameraden zu ſein, machte aus dem Spaße Ernſt, ging nach Hauſe und erhängte ſich wirklich. B.

London. In einem engliſchen Journale leſen wir: Der Kirchen-Die ner John Bailey von Kainton Mande field ſtarb in der lezten Woche, 92 Jahre alt. Er und vor ihm ſein Va ter bekleideten dieſe Stelle über ein Jahrhundert. In ſeinem 88ſten Jahre wettete der Verſtorbene noch um 20 Souveränsd'or, 6 Tage lang, täglich 20 Meilen weit zu gehen, am ſechsten Tage ein fünffa⸗) verriegeltes Thor einzuſprengen, die 5 Kirchengloken ſelbſt zu läuten und am 7ten Tage den Dienſt als Kirchendiener zu verſe ben. Während 56 Jahren ſezte er nicht ein Einzigmal ſeinen Dienſt wegen Unwohlſein aus. M.

Mänchen. Der Orgelmacher Unterholzer, deſſen Flugmaſchine wir ſchon erwähnt haben, hat nun wirklich dieſer Tage dem Münchner Magiſtrat das Anerbieten gemacht, bei dem näch⸗ ſten Oktoberfeſte auf unſeree There ſienwieſe fliegen zu wollen. In ſeiner Eingabe behauptet derſelbe, daß er ver⸗ mittelſt jener Maſchine vom ebenen Boden ſich zu jeder beliebigen Höbe er heben, jede Wendung zu beiden Seiten vornehmen und ſich mit völliger Beherr ſchung der Luftmaſſe langſam oder ſchnell wieder herablaſſen konne. DO.

Straßburg. Hier ſpricht man viel von der merkwürdigen Rache, wel che ein junger Artillerieoſſizier und einige andere junge Leute an der zwei ten Sängerin des hieſigen Theaters, wegen an Erſterm began gener Untreue, genommen haben. Sie drangen Nachts in ihre Wohnung, und ſollen ſie förm lich ihres ſchöͤnen Haarſchmukes beraubt haben. Dem. Ferrand wollte nicht mehr auftreten, doch iſt die Sache ſeitdem ausgeglichen worden. K.

Lüttich. Ein ſehr trauriges Ereigniß hat am 26. um 2 Uhr Nach mittags ſich in der, dem Hrn. Beco gehörenden Kohlengrube von Volda Labord zugetragen. Acht Arbeiter, welche in den Tagſchacht hinabſtiegen, um das Tagewerk zu beginnen, waren ſchon bis zu einer Tiefe von ungefähr 40 Fuß gekommen, als der Strik, womit ſie hinabgelaſſen wurden, zer riß; 4 dieſer Unglüklichen ſtarben auf der Stelle, 5 lebten noch ungefähr eine Stunde, und der achte ſtarb in der folgenden Nacht um 5 Uhr. Ihre Körper waren ſchreklich gequetſcht; Ar me und Beine waren gleichſam zer malmt; dem Einen war ein Arm ab⸗ geriſſen. ö B.

Herausgeber und Verleger Sranz Wleſen.