Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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war, auch dieſes Hilfsmittel zu verlaſſen, und dahin zu laufen, wohin das Bein ihn trug. ö

Er fing nun an ernſtlich über den traurigen Ausgang nachzudenken, den ſeine jezige Lage prophezeihte. Die einzige tröſtende Hoffnung, die ihm in dieſer verzweifelten Situation blieb, war, daß die geheime, zauberähnliche Kraft dieſes kunſtreichen Mechanismus ſich bald ſelbſt erſchöpfen werde, daß die Bewegungen des Beines ſich nach und nach hemmen würden, und er dann ruhig ſeinen Rükweg nach Hauſe antreten könne. Dieſe Hoffnung war jedoch nur ſehr problematiſch, und kein ſicheres Anzeichen berechtigte zu der Erwar tung, daß ſelbe ſich realiſtren werde.

Nachdem Wodenblock bereits wie ein Wahnſinniger alle Straßen der Stadt wider Willen durchlaufen hatte, kam er an den Kanal von Leyden. Als er bei dem Hauſe Tuecningvort's ankam, fing er aus vollem Halſe an,

um Hilfe zu rufen. Der Meiſter ſah zum Fenſter heraus und ſtarrte den un⸗

freiwilligen Tachydromos mit erſchrokenem Staunen an.Betrüger! ſchrie Wodenblock,komm augenbliklich herunter! du haſt mir dieſe beherte Maſchine nur gemacht, um auf ſchändliche Weiſe deinen Scherz mit mir zu treiben. Nicht einen Augenblik, kann ich den verherten Fuß ſtille halten, ſeit ich aus meinem Hauſe trat, und wenn du nicht ſelbſt herabkömmſt, mir Hilfe zu lei⸗ ſten, ſo wird Gott wiſſen, wohin mich daſſelbe noch ſchleppen wird. Schurke, was ſtehſt du da oben, mich mit weitgeöffnetem Munde anglozend? Herunter ſollſt du alſogleich, und mich von dieſer Marter befreien, wenn du noch einen Augenblik zögerſt, ſo biſt du nicht mehr im Stande mich einzuholen! Der Mechaniker ſtürzte blaß und außer ſich vor Schrek über die Treppe. Dieſen widerwärtigen Zufall hatte er nicht erwartet, als er die Wirkungen und den Erfolg ſeiner Entdekung berechnete und er wollte nicht eine Se

kunde verlieren, Hrn. Wodenblock aus einem ſo erbarmenswerthen Zuſtande zun

erloſen. Wodenblock, oder beſſer geſagt, ſein Bein, fuhr indeß fort mit dem Winde um die Wette zu laufen, und der alte Turningvort hätte ihn zeitle

bens nicht ereilt, wären ihm nicht jene Sprünge, vom denen wir ſchon früber

Erwähnung machten, jezt ſattſam zu ſtatten gekommen. Als er endlich den Schnellläufer erhaſchte, hob er ihn mit der größten Anſtrengung von der Erde auf, in der Hoffnung, auf dieſe Weiſe ſeinem Eilmarſche ein Ziel zu ſezen, doch vergebens, denn die vorwärtsſtrebende Höllenmaſchine wirkte ſogar

auf Meiſter Turningvort ihre Zauberkraft, der, obwohl ihn die Rieſenwucht

des über fetten Holländers zu Boden zu drüken drohte, doch in dem Zeitraume einer Minute über 50 Schritte zu laufen gezwungen war. Erſchöpft ließ er

den Kaufmann wieder zur Erde nieder, und indem er ihn mit dem Aufwande

aller ſeiner Kräfte zurük zuhalten bemüht war, drükte er eine im Kulebuge des künſtlichen Beines hervorragende Feder. In demſelben Moment, flog der unglükliche Wodenblock mit der Schnelligkeit eines Pfeiles davon. Mit Mit⸗ leid erregender Stimme rief ler die ſtaunenden Zuſeher an:Ich bin verlo⸗ ten o helft helft! Ein böſer Geiſt iſt in dieſem verfluchten Beine eingeſchloſſen haltet mich auf um des Himmelswillen ich habe kei nen Athem mehr ich kann nicht mehr weiter will ſich denn keine micleidige Seele finden, die dieſes Teufelsbein in Stüken zerſchlägt?