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ten aus dem Saale gewieſen werden. Der Präſtdent erwiderte, der Herr Deputirte habe ſich gegen die Geſchäfts— ordnung verfehlt, indem er über etwas geſprochen, das nicht auf der Tagsord⸗ nung ſtehe, und indem er einen An⸗ trag gemacht, den er nicht zuvor auf dem Bareau niedergelegt habe. Die Kammer konnte ſich abermals der Lach— luſt nicht enthalten. C.
Bayreuth. Der Elephant von der hier befindlichen Menagerie der Mad. Turniaire wird nun aufs Neue das Tagsgeſpräch, weil ſeln Betragen neue Beſorgniſſe erregt. Vor mehreren Ta— gen ſezte er die Nachbarſchaft in der Nacht abermal in Schreken durch ein fürchterliches Gepolter, wobei man Bretter und Stangen zerbrechen hörte, und darum auf den Wahn kam, daß er nun durchaus durchbrechen wollte. Es zeigte ſich aber, daß er nur das Segeltuch, womit ſeine Wohnung be— dekt war, mit Gewalt ganz herabge— riſſen habe, und zwar wahrſcheinlich, weil daſſelbe vom ſtarkem Regen zu viel Waſſer eingeſogen hatte, und es ſpäter in dichten Tropfen auf ihn he— rabfallen ließ. Nun mußte eine neue Deke über ihn bereitet und höher ge— ſtellt werden. Allein auch die Beſeiti— gung der empfundenen Unbehaglichkeit machte das Thier in der folgenden Nacht nicht ruhiger. Es ſchien, daß der Argwohn, die erfahrene Unan— nehmlichkeit ſei auch von ſeinen Wär— tern hergekommen, ſeinen Unwillen ge— gen dieſe aufs Neue gereizt hat; denn von der Zeit an iſt er keine Nacht ru— big, wenn die Wärter allein um ihn ſind, und am Tage, wo Fremde zu ihm hinein kommen, ſo freundlich und artig gegen dieſe, wie immer. Er macht ſich lauter ärgerlichen Zeitvertreib vor dieſen. Er durchbohrt mit ſeinen Zäh⸗
nen mannsdike Balken, und zerreißt Strike und Ketten, ſo daß alle Tage die koſtſpieligſten Reparaturen noth—⸗ wendig werden. Aus dieſem Grunde können die Wärter nicht mit ihm ab⸗ ziehen, und es wird nun ſtark davon geſprochen, ob er mit Gift odee durch eine Kugel auf den Kopf am ſchnellſten und ſicherſten getödtet werden könne. Der Termin zu ſeiner noch möglichen, Beſſerung ſoll auf den nächſten Monat feſtgeſezt ſein. Allgemein iſt die Theil⸗ nahme um das Thier, weil es ſich ge—⸗ gen Alle, außer ſeinen Wärtern, un— gemein freundlich beweiſt. F. Frankfurt. Am 28. Jan. er⸗ mordete ſich allhier ein geachteter Wech⸗ ſelmäkler in dem Senkenbergiſchen Stifte mit einem Dolche. Das Gerücht behauptete ſogleich, er habe ungünſti⸗ ges Börſenſpiel getrieben, nad, da morgen Ultimo, ſich durch einen frei— willigen Tod ſeinen Verbindlichkeiten zu entziehen geſucht. Dieſe Behaup⸗ tung zeigt ſich aber als grundlos. Der Unglükliche war in ſeinen Geſchäften ſehr reell, litt aber an einer Leber- krankheit, und war demzufolge zur Schwermuth geneigt.. Baltimore. Amerikaniſche Blät- ter enthalten zwei Fälle von dohem Alter bei zahlreicher Nachkommenſchaft. Es ſtarb neulich zu penobſcot ein Mann, Namens Huchings, 100 Jahre alt, welcher 10 Kinder, 88 Enkel und 242 Urenkel hinterläßt; und zu Camden ein Mann Namens Thorndike, in ei- nem Alter von 100 Jahren 5 Monaten. Von 3541 Nachkommen überleben ihn noch 300. 5 D Leipzig. Die allhier ſeit dem teten Januar 1854 errichtete Viehver⸗ ſicheru Maatelt(bei welcher gegen⸗ wärtig blos Rindvieh und Pferde ver⸗ ſichert werden) hat ihren erſten Jah- resbericht an die Agenten ausgegeben. An Rindvieh allein wurden 65 Anſtalt im vorigen Jahre 15,00 Stüe verſichert, wovon in dieſer Zeit 552 Stük ſtarben. B.
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Herausgeber und Verleger§ranz Wie ſe n.


