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K.
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Der Herzog v. Epernay lag ſchwer krank. 48 batte er dem Kardinal Richelieu noch zu ſchreiben.
Etiquette bis zum Tode.
„ In den lezten Tagen ſeines Er unterzeichnete:
Ew. Eminenz ganz gehorſamſter ze.— Der Brief war abgegangen, als dem
Herzog einſiel, der Kardinal habe unterzeichnet:
Ew. Durchlaucht wohlaffek⸗
tionirter ze.— Auf der Stelle mußte der Brief durch einen Eilboten zurük,
er diktirte einen andern, unterzelchnete:
„Cw. Eminenz wohlaffektionir—
ter c.— und wenige Minuten darauf verſchied er.
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Deitung der Novitäten und Anfichten.
Miszellen.
Stuttgart. Herr Dr. Ju⸗ ſtinus Kerner, berühmt durch ſeinen Glauben an magnetiſche Geſpenſter, hat unlängſt ſeine Kunde der Geiſter— welt noch erweitert, und ſich mit dem lebendigen Satan im Leibe einiger Viehmägde und dergleichen ausgezeich— neter Perſonen ganz vertraulich bekannt gemacht. Seine Entdekung, daß es noch gegenwärtig Leute gibt, die vom Teu⸗ ſel beſeſſen ſind, theilt er in einer Schrift dem Publikum mit, und ein Profeſſor der Philoſophie in Tübingen, Hr. Eſchenmayer, ſucht, in einer Zu⸗ gabe, philoſophiſch die Wirklichkeit des Beſeſſenſeins zu beweiſen. In der Na⸗ tur nämlich hänge Alles ganz harmo— niſch mit den Vernunftgeſezen zuſam— men. Ueber der Natur aber wohne Gott in einem ganz eigenen Lichte, an das die Vernunft nicht reiche. Und eben ſo herrſche unter der Natur, im Reiche der Finſterniß, der Teufel, der ſich ebenfalls nicht um die Vernunft be⸗ kümmere. Die Erſcheinungen alſo, die der Teufel macht, wenn er in den Leib der Menſchen fährt, ſind darum nicht weniger wirklich, wenn gleich ſie nicht nach der Vernunft zu erklären ſind. Alſo gibt es Beſeſſene, und die Phi— lofophen haben Unrecht, mit der Ver⸗
nunft dagegen zu kämpfen. Ich zweifle nicht, daß die Herren Kerner und E— ſchenmayer ſehr vertraut mit den Sphä— ren ſind, die außerbalb der Vernunft und Natur liegen. Noth thut, ihnen dahin zu folgen, ſo iſt zu beſorgen, daß derjenige Theil der Welt, der nicht im Narrenhaus begütert iſt, ſich wenig von den neuen Zeugen des Teufels werde belehren laſſen, ſondern zufrieden ſein wird, innerhalb der Natur mit etwas Ver— nunft ſich zurecht zu finden. Nur eins
Da es jedoch nicht
werden die Freunde der Vernunft ſich l
merken, daß es mit der geprieſenen Ziviliſation des Jahrhunderts nicht weit her ſein könne, da rein verrükte Lehren ſogar von Philoſophen im er— leuchteten Deutſchland ohne Anſtand vorgetragen werden dürfen. Wahrlich, verſtändige Männer haͤtten für ihre Lehren weit weniger Nachſicht zu er— warten; ſie ſtehen vielleicht in Gefahr, eingeſperrt zu werden, wenn ſie ſich einfallen laſſen, die Vernunft unter den Menſchen zu verbreiten. Prinzip des Satans, welchen Spuk wirſt du weiter in der Welt treiben? G. Paris. In der franzöſiſchen Deputirtenkammer beſchwerte ſich ohn— längſt ein Deputirter darüber, daß er, ſo oft er auftrete, mit Lachen empfan— gen werde, und verlangte, die ihn Un— terbrechenden ſollten von dem Präſiden⸗


