Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
101
 
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durch die Stadt zu machen. Bei jedem Schritte ſegnete er das Talent des erfin dungs reichen Meiſters, dem es gelang, ihm einen ſo vollkommenen Erſaz für ſeinen empfindlichen Verluſt zu verſchaffen. Alles brach in gerechtes Staunen und in lobende Bewunderung aus, denn im Gange des reichen Kaufherrn war weder die geringſte Veſchwerlichkeit, noch Anſtrengung oder Ermüdung zu be⸗ merken, ſondern alle Theile der Maſchine verrichteten den Dienſt der Muskeln und Bänder eines natürlichen Fußes mit der genaueſten Pünktlichkeit. Nie mand hätte unter den umfangreichen Kleidern des ſchmeerbauchigen Holländers ein künſtliches Bein vermuthet, wenn nicht ein faſt unvernehmbares Schnaren, welches ein paar Duzend Räder durch ihre ſchnelle Bewegung im Innern des Kunſtwerkes hervorbrachten, und ein ſehr leiſes Tiktak, dem einer großen Sak⸗ uhr ähnlich, den Mechanismus verrathen hätte, und ſelbſt Hr. Wodenblock batte vergeſſen, welchen Verluſt er an jenem unglüklichen Tage erlitt, als er ſeinem Vetter ein ſo zärtliches Lebewohl ſagte.

(Beſchluß folgt.)

Aus Chateaubriands Leben.

Es exiſtirt in London eine Verbindung, die ſich zum Zwek geſezt hatte, arme Literaten zu unterſtüßzen. Dieſe Einrichtung fehlt in Frankreich noch, wo es doch unglükliche Schriftſteller genug gibt! Herr v. Chateaubriand hatte hundert Louisd'or der Kaſſe dieſer literariſchen Verbindung überſandt. Dieſe Summe überſtieg bei Weitem die gewöhnlichen Beiträge. Dieſer Freigebigkeit zufolge wurde nun auch der Geſandte zu einem Mahle eingeladen, welches die Geſellſchaft alle Jahre gab, und zu dem eine Menge ausgezeichneter Perſonen, unter andern auch Hr. Canning, ebenfalls gebeten waren. Als die Tafel zu Ende ging, ward Hrn. v. Chateaubriand's Geſundheit ausgebracht, und ihm im Toaſt, Namens der armen Dichter, auf eine zarte Weiſe für ſeine Gabe gedankt. Aber ſogleich ſtand er auf, und da es ihm ſchwer wurde, ſich vor einem ſolchen Publikum auf Engliſch auszudrüken, ſo erklärte Herr Canning, der neben ihm ſaß, und den er bat, ihm zu helfen, in ſeinem Namen, daß er nichts gegeben habe, da er ſelber, und das mehrere Male, während ſeines erſten Aufenthaltes in England, als fremder Schriftſteller von der Geſellſchaft unterſtüßt worden wäre; daß er nur als Bruder ſeinen Brüdern wieder er ſtattet habe, was er von ihnen empfangen, und daß es an ihm ſei, zu dan⸗ ken. In der That, eine rührende erhebende Szene! In Gegenwart von mehr als einem der ſtolzeſten Repräſentanten der ſtolzen Ariſtokratie Englands, der Votſchafter Frankreichs wie er ſeinen goldgeſtikten, beſternten Rok auf knöpft, und darunter den alten, zerriſſenen Frak des armen Schriftſtellers von 1802 zeigt, und Canning, der erſte Miniſter, neben ihm und für ihn ſprechend, Canning, der, Jeder wußte es, und er machte am Wenigſten ein Hehl daraus, auch ehemals als Literat von der Geſellſchaft unterſtüzt worden war. Durch und durch war Alles ſchön eine Szene voll einfacher, wahr hafter Größe.