Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
97
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

(Achter Jahrgang.)

7 Halbjähriger Preis 4 fl., mit fteier Poſtzu⸗ Man pränumerirt im Kommtſſionsamt zu, Ofen

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ſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten 4(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.

Kupferabdrüten 5 fl. und poſtfrel 6 fl. C. M.

SDas ke iy. 8 Novelle.

(Frei nach dem Italieniſchen von D. F. Reiberſtor ff)

Wenn du, freundlicher Leſer, je in Rotterdam warſt, ſo wirſt du dich eines alten Hauſes mit zwei, Stokwerken erinnern, das mitten in der Vor ſtadt am Kanale gelegen, der nach Haag und Leyden führt. Wärſt du auch nicht von ſelbſt darauf aufmerkſam geworden, ſo zeigte dir daſſelbe gewiß Ein oder der Andere als die einſtige Wohnung eines der geſchikteſten Künſtler, die je in Holland gelebt. Sein Gewerbe war die Verfertigung chirurgiſcher Inſtrumente, doch war er auch bewandert in allen, Zweigen der Mechanik. Niemand wußte durch künſtliche Mittel die Verwüſtungen des Alters und die Gebrechen der Natur beſſer zu verbergen, als er, und mancher Stuzer und mehr als eine ſchöns Dame verdankten ihre Reize der Kunſt dieſes Mannes.

Wenn aber Meiſter Turningvort ſich in ganz Holland einer glänzenden Berühmtheit erfreute, ſo dankte er dieſe vorzüglich der ſeltenen und wunder baren Geſchiklichkeit, künſtliche Beine von Holz oder Korkholz zu ver fertigen.

Wer die geſchmakvolle graziöſe Form der Beine betrachtete, die die Kunſt dieſes Wundermannes ſchuf, mochte manchmal denken, ob es nicht vorzuziehen wäre, mit einem ſolchen künſtlichen Fabrikate einherzuſchreiten, als auf einem von Froſtbeulen und Leichdornen entſtellten, oder vom Podagra gemarterten und entnervten natürlichen Beine herumzuhumpeln.

Eines Morgens, als Meiſter Turningvort eben im Begriffe war, ein Fußgelenk für einen vornehmen Herrn kunſtgerecht zu drechſeln und zu poliren, trat ein Vedienter in ſein Gewölbe, und bat ihn, ſich alſogleich zu Herrn Wodenblock, einem der reichſten Handelsherrn in Rotterdam, zu begeben.

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