Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
95
 
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I.

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ab, von dem ſodann der Gypsabguß ge nommen wird. Der leztere Theil iſt ein Geheimniß, indem man die Ope ration der Nadeln hinter der zweiten Platte nicht ſehen kann. r

Leipzig. Der berühmte Adal⸗ bert von Chamiſſo, der auch König einer Inſel in der Südſee iſt(2), arbeitet an ſeinen Reiſe me⸗ molren, denen eine Skizze ſeines intereſſanten, begebenheitenreichen Le bens einverleibt wird. M.

Wien. Eine ſchaudervolle Mord that iſt in der innern Stadt Wien be⸗ gangen worden. Hr. Wagner, Spedi⸗ teur der ſehr bekannten Spezereihand lung Voigt und Komp., ein ſehr wa kerer und vermöglicher Mann, wurde, einige Tage vor ſeiner Verheirakhung, auf ſeinem Zimmer durch viele Wun den getödtet und beraubt gefunden. Die Polizei inſtruirt auf das Emſig ſte; viele Verdächtige ſind verhaftet, der Schuldige jedoch noch nicht aufge funden. R.

Paris. Am 21. Jan. erſchien eine junge Dame in einem ſehr elegan ten Anzuge, modernem ſeidenen Hut, mit feinem Terneaux-Shawl verſehen, vor dem Polizeigericht. Dieſe ſehr ele gante und hübſche junge Schöne, die das allgemeine Intereſſe in Anſpruch nahm, war indeſſen angeklagt, in meh reren Reſtaurationen die ſilbernen Löf fel und Gabeln geſtohlen zu haben. Sie war dort ſtets in Begleitung eines ſehr anſtändigen Herrn erſchienen, welcher nachmals dargethan hat, daß er den Diebſtählen durchaus fremd war. Die Unterſuchung bewies überdies, daß die junge Dame ſich in einer Lage befand, wo ſie durchaus nicht aus Noth etwas zu entwenden brauchte, ſondern daß es mehr eine Art von Liebhaberei war. Auch fand man die geſtohlenen Sachen alle bei ihr wieder. Das Gericht war

ſehr milde und verurtheilte ſie nur zu 2 Monat Gefängniß. L. Paris. Die Gräfin Vontalba, welche vor einigen Monaten das allge meine Geſpräch war wegen des tragi ſchen Ereigniſſes, in dem ſie die Haupt⸗ rolle ſpielte,(wie man ſich erinnern wird ſuchte ſie ihr Schwiegervater zu erſchießen und erſchoß darauf ſich ſelbſt) iſt jezt vollkommen hergeſtellt. Von den drei Kugeln, die ihr in die Bruſt ge drungen waren, ſind zwei heraus ge ſchnitten, die dritte iſt nicht gefährlich. Doch hat ihr ein Finger abgenommen werden müſſen.. Brüſſel. Die Mitglieder der belgiſchen Repräſentantenkammer haben ſich ohnlängſt in einem geheimen Aus- ſchuſſe zu einer ſehr wichtigen Bera thung verſammelt. Es handelte ſich nämlich um nichts Geringeres, als: ob die beſagten Volksvertreter bei dem für den 10. Febr. angekündigten gro⸗ ßen Hofballe bloß im gewöhnlichen ſchwarzen Frak mit der Ploque als Deputirte, oder in einem beſondern Koſtüue erſcheinen ſollen. Die Debatte war ſehr lebhaft. Ein Mitglied brachte die Staatsrathsuniform, blau mit Gold, in Vorſchlag, und dieſer ward von mehreren Seiten unterſtüzt, da ſich jedoch gerade gegen Ende der Diskuſ ſion viele Mitglieder entfernten, ſo war die Kammer nicht mehr zahlreich

genug, um eine Entſcheidung zu tref⸗ fen, und es hat dieſelbe daher einer andern Zuſammenkunft vorbehalten blei ben müſſen. W.

Erlangen. Hier iſt wieder eine Somnambüle, die ſchon manchen den Kopf verrükt und neulich vielen Leuten recht bange gemacht hat. Sie hat nämlich in ihrem hellſehenden Schlafe prophezeiht, daß am dritten Weihnachtsfeiertage die Altſtadt in Rauch und Flammen aufgehen werde. Die alten Weiber haben ihr Beſtes zuſammengepakt; die Polizei hat Si⸗ cherheitswachen aufgeſtellt u. ſ. w., aber der Brand iſt ausgeblieben. S.