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König den Brief ganz mit Fett beſlekt ſa, lachte er, und ſprach:„Gute Diana, du erinnerſt mich, daß ich meinen magern Worten auch eine Portion Fett beifügen muß.“ Er legte hundert Stük Friedrichsd'or zu dem mit Fett getränkten Brieſe, und fügte eine Nachſchrift hinzu, worin er dem Brieſem— pfänger die Veranlaſſung dieſes Geſchenkes erzählte.
Engliſche Etikette und Titelſucht.
In England verliert durch die Ehe die Tochter eines Herzogs oder Gra⸗ ſen nichts von der Ehre ihrer Geburt, wenn ſie ſich auch mit einem bloßen „Herrn“ verheirathet. Man nennt ihren Gatten Master(Herr), wie alle, die weder Peer noch Ritter ſind, ſie aber behält den Titel Mylady(gnädige Frau), mit ihrem Taufnamen bei. Die Wittwen, welche ſich wieder verhei— rathen, genießen daſſelbe Vorrecht. Eine Herzogin kann einen bloßen Edel⸗ mann heirathen, ohne ihren Titel und die ihr gebührenden Ehrenbezeigungen zu verlieren; ſie bleibt immer Herzogin, und man nennt ſie Vour grace(Ew. Gnaden), welcher Titel den Herzögen, ihren Gattinen und den, Erzbiſchöfen gebührt. Vour Lordship(Ew. Herrlichkeit) nennt man die Viſchöfe, die Gra— ſen, und alle andern Peers; Vour Ladyship dagegen die Gattinen derſelben.
Wir bemerken hierbei, daß in England die Etikette und das Zeremoniel kleinlicher iſt als man bei einem„feeien Volke“ vermuthen ſollte; die Nie⸗ dern ſprechen dort faſt immer in der dritten Perſon, als trauten ſie nicht, ein Ich zu ſein; die Geiſtlichen nennt man Vour Reverence(Ew. Ehrwürden), und der geringſte Landrichter macht auf die Lour worship(Ew. Verehrung) Anſpruch. 5
Mon o mani e.
Man hat neulich einen ſeltſamen Vagabonden feſtgenommen. Dieſer Menſch batte ſich eine unterirbiſche Wohnung in einer jener Höhlen eingerichtet, wel— che ſich in den Puddingſteinbänken am Wege der Etrofts, unterhalb Fontaniers, befinden. Der Zugang zu derjenigen, welche er gewählt hatte, war ſehr be— ſchwerlich. Man mußte faſt ſenkrecht mehrere Fuß hoch emporklettern, um da— bin zu gelangen, und in die Höhle ſelbſt war nur kriechend hineinzukommen. In dieſer engen und feuchten Behauſung hatte er ſich eingerichtet, um ſie nie wieder zu verlaſſen, zwei Löcher für die Beine in den Felſen gegraben und dazwiſchen eine Kohlenpfanne geſtellt, um ſich im Nothfalle wärmen zu können. In dieſer Stellung iſt er vierzig Tage unbeweglich geblieben, bis ſeine Ver⸗ haftung auf Angabe der Leute in der Nachbarſchaft bewirkt wurde. Seine Mutter, eine arme Frau in Lyon, ſammelt Queken, welche ſie an die Kräu⸗ terhändler und Apotheker der Stadt verkauft. Von dem Ertrage dieſer Arbeit ernährt ſie ſich ſelbſt und ihren Sohn. Dieſer Menſch, deſſen ſeltſamen Ent- f ſchluß man nur einer Monomanie zuſchreiben kann, iſt 28 Jahre alt, und ſcheint Medizin ſtudirt zu haben. Man fand bei ihm einen Brief in Verſen an die Deputirtenkammer. 18


