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Lompoſiteur, der bereits europa i⸗ chen Ruf hat, wird in Wagner's Kaffehaus auf meerſchau menen Altären derba nigotiana geopfert und die wal— zergeigende Gottheit ſcheint an den Wohlgerüchen dieſer Dämpfe ſo viel Freude zu fühlen und dieſe Hommage o gnädig aufzunehmen, daß er wie ein Raſender ſich beinahe ſein Seelchen herausviolinirt, um ſeine Reconnäſ— anz recht deutlich zu beweiſen. Ein pritter iſt äſthetiſch geworden und läßt während der Zwiſchenräume der Wal— zerproduktion die wunderherrlichen Vo— kalquartetten des klaſſiſchen Schubert ertönen! Schubert und Walzer!— es iſt zum Verzweifeln! und wer kann mir's wehren, wenn ich verzweifle—— an der Geneſung des Verſtandes ſolcher ſogenannten Muſikdirektoren! f Wenn ich noch weiter in dieſem Tone ſchreibe— ſo könnte ich mich um den Kopf reden. Denn Viele würden glauben, ich hätte gar keinen und Viele mich für vogelfrei erklären— deshalb will ich ſchweigen— ſchweigen und ſtaunen, wie erfinderiſch dieſe Men— ſchen oder Unmenſchen ſind, das All- tägliche und Gewöhnliche hin⸗ aufzuſchnauben, daß es groß erſcheinen ſoll und erhaben. Ein Zwerg auf dem Berge— iſt doch nichts anderes als ein Zwerg.
Hr. Scherzer hat ſein Kommando in die Hände ſeiner Söhne gelegt. Bei dieſer Gelegenheit muß ich wie Sancho Panſa ſchon wieder ein Sprichwort an— führen:„Wie die Alten geſungen, ſo zwitſchen jezt die Jungen.“ Alles iſt unverändert geblieben: die ſchönen Säle, die Strauß' che Muſik, die ekla— tant prompte Bedienung und die näm— lichen lebensfrohen Wiener als Gäſte, denen es nirgends ſo ſchmekt, als beim Sperl. Sie kommen in Unzahl um zu tanzen, und können es nicht, weil die Säle nicht mit elaſtiſchen Wänden ver⸗
ſehen ſind, die das Uebermaß der An— weſenden allenfalls faſſen könnten; ſie eſſen und trinken ganz gewöhnliche Speiſen und ganz gewöhnlichen Wein, aber dieſe Speiſen koſten ung ewöhn⸗ lich viel Geld, und deshalb ſchmeken ſie ungewöhnlich gut; ſie gehen froh und zufrieden nach Hauſe, ſchlafen die Freude und den Kopfſchmerz aus— und ſagen des andern Tages: O the u e⸗ rer Sperl! Mundus vult decipi, ergo decipiatur!
Adiaphoros.
Miszellen.
London. In dem ſtillen Ozean ſtellt ſich jezt eine beſondere Thatſache dar. Der größte Theil der Geſellſchafts— inſeln wird von Frauen reglert. Sie präſidiren bei den Debatten der öffent— lichen Angelegenheiten des Landes, und jede derſelben nimmt einen thätigen An— theil an dieſen Debatten. Alle Inwoh⸗ ner, wie auch immer ihr Rang ſein mag, haben das Recht den Sizungen beizuwohnen und ihre Meinung abzu⸗ geben. Sobald ein Geſez angenommen iſt, wird es von der Höhe einer von, den Miſſionären neu erbauten Kapelle herab promulgirt. Bei dieſen Debat— ten zeigen die Weiber im Allgemeinen höhere intellektuelle Eigenſchaften als die Männer! Seit Ankunft der Miſ— ſionäre iſt in das Verhältniß der Wei— ber eine vollſtändige Reform eingetre— ten. Sie waren Sklaven und nun ſind ſie glüklich und frei. R.
Paris. Ein neues Etabliſſement, das viel Glük macht, iſt das Kosmora— ma der ſpaniſchen Tauromanquia. Es iſt ein Tableau, das ſehr natürlich die Stiergefechte auf der ſpaniſchen Halbinſel darſtellt. B.
Toulon. Am 7. Jan., gegen 10 Uhr Morgens, ſchlug bier ein Land⸗


