Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
84
 
Einzelbild herunterladen

84

ſinken, Ströme von Waſſer ſtürzten von dem Gipfel herab, brauſten durch die abſchlüſſigen Straßen dem Meere zu und riſſen Alles, was im Wege lag, mit ſich fort. In weniger als einer Stunde, ſo lange das Gewitter dauerte, wa ren auf den hohen Punkten des Bergeß Mauern eingeſtürzt, Häuſer erſchüt tert, eins ſogar zertrümmert; einer der Königskanäle barſt; alle andern wa ren vollgepfropft und führten das Waſſer nach allen Theilen hin, das die Ge länder wegriß und Alles mit fortfährte. Weiter unten, wo feſtere Baue der Waſſermaſſe größern Widerſtand leiſteten, verſtopften ſich die Schleuſen mit Sand und Steinen, und das Waſſer ſtieg vier Fuß hoch in den Häuſern, de⸗ ren Bewohner zum größten Theile im erſten Schlummer lagen und nur wenig Zeit hatten, an ihre Sicherheit zu denken. Am andern Morgen fand man die Leichname von zehn Perſonen, welche theils ertrunken, theils von Steinen erſchlagen worden waren. Die Stadt gewährte einen Anblik der Zerſtörung; die Eingänge der Häuſer in den abſchüſſigen Straßen waren mit Stein- und Kieshaufen verſchüttet, und in den Straßen ſah man Höhungen von zwei bis drei Fuß Tiefe. Auf andern war das Pflaſter mit weggeſpült worden und durch Felſentrümmer unwegſam gemacht. Der Plaz bis an die Königsſtraße war mit Trümmern von Dächern, zerbrochenen Meubles, Fäſſern und großen Steinen bedekt, von denen mehrere als Treppenſtufen vor den Häuſern ge dient hatten. In der Unterſtadt hatten ſich die Steine und Felſentrümmer acht bis neun Fuß hoch aufgethürmt, und in der Königsſtraße ſelbſt konnte Niemand gehen. An manchen Stellen konnte man glauben, man ſchreite über die Trümmer einer ganzen Stadt. Man ſchäzt den Schaden auf mehr als 150,000 ſchwere Piaſter, wobei jedoch der nicht angeſchlagen iſt, den das Waſ⸗ ſer in den Privathäuſern ge. angerichtet hat.

Ehen in Columbia.

Unter den Mantuanos, ſagt ein neuerer Reiſender,iſt ges gewöhn lich, daß ein junger Menſch heirathet, ſobald er die Schule verläßt. Seine Verwandten berathen ſich zuſammen über die Wahl ſeiner Lebensgefährtin, wobei ſie auf Geburt, Nang, Vermögen und Familienverbindungen Rükſicht nehmen. Iſt Alles mit den Eltern des Mädchens in Ordnung gebracht, ſo wird es im Alter von zwölf Jahren aus dem Kloſter genommen, wo es ſeit dem vierten gelebt und mit einem jungen Manne verheirathet, der wahrſchein lich nicht über ſechszehn, häufig aber nicht einmal ſo alt iſt. Nicht ſelten ſin⸗ det man ein Ehepaar, das zuſammen nicht 30 Jahre zählt; ich kenne eine hübſche Dame in Mantuana, welche in ihrem achtzehnten Jahre ſieben Kinder am Leben hatte. Eine andere hatte eine Tochter von ſechszehn Jahren, die die Schweſter ihrer Mutter zu ſein ſchien, welche nicht älter als ſiebenund⸗ zwanzig Jahre war.

Heu n d t

Es war in der lezten Silveſternacht, als ein Kärrner auf der Landſtraße bei Soreſina, in der Provinz Cremona, von vier Kerln angefallen ward. Sein