Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
78
 
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zum erſten Male, in Bellini'sNor⸗ ma auf und ward mit Enthuſiaemus empfangen. Eine neue Operette, un⸗ ter dem Titel:Die Wette, gefiel. Die Direktion des Theaters in der Joſephſtadt macht mit den Gäſten Holtei gute Geſchäfte. Von der Feder dieſes wakern Bühnendichters ſahen wir bereits mehrere Stüke und in allen ſpricht ſich mehr oder weniger Origi nalität und genaue Kenntniß des Ef⸗ fektes deutlich aus. Unſere Wiener Rezenſenten geißeln Hrn. v. Holtei wohl waker durch, weil ſeine Stüke nicht über ihren Leiſten zu ſchlagen ſind und ſie daher ihre ſtereotype Re zenſionsform nicht dafür brauchen kön nen, aber das Publikum lohnt ihn mit fleißigem Beſuche und lautem Bei falle vox pupuli vox dei! Ich habe immer ſo recht herzlich Freu de wenn ein Mann aufſteht, der den alten Schlendrian und Plunder ſtolz mit Füßen tritt und eine andere Bahn einſchlagend die erſtaunten Gewohn bheitsmenſchen weit hinter ſich zurük⸗ läßt, und dieſe dann, um ſich zu rä⸗ chen, ihn mit Koth bewerfen wollen, und ſich ſel bſt dabei beſchmuzen. 2 Die Hofopernſängerin Madam Kraus⸗ Wranitzky iſt dieſem Theater in der Oper das, was Hr. und Fr. v. Holtei im rezitirenden Schauſpiele ſind. Im Barbier von Sevilla, als Roſine und in derNachtwandlerin, als Amina, bewährte die Künſtlerin die Vortreff⸗ lichkeit und Meiſterſchaft, die wir ſtets an ihr bewunderten. Hr. Mellinger gefällt immer mehr und mehr. Ueber das neueſte Produkt Holtei's:die Bettlerin werde ich mit nächſter Ge legenheit ausführlich berichten. Nai⸗ mund gaſtirt noch immer mit entſchie⸗ denem Glüke im Leopol dſtädter⸗ theater. Das Theater an d. Wien ſpielt jezt mit dem Publikum Komödie. In e i⸗

nem fort die alte Leier nichts als:Die Entführung vom Masken

ball. Der Verfaſſer dieſer Piece hat

ſich's bequem gemacht, er ſchrieb das mehr als 20 jährige Stük:Ei du lieber Auguſtin beinahe wörtlich ab, gab ihm einen neuen Titel u. ließ es in dem zu ſolchen Dingen ſtets bereit willigen Theater als ſein Opus auf führen. Ein Wlener Kritiker lobte bei dieſer Gelegenheit die BVeſchei⸗ denheit des Dichters, der nicht ei mal ſeinen Namen auf den Zettel ſe zen ließ! Beſcheidenheit und ein Thea⸗ terdichter! wie ſchik' ich das zuſam⸗ men? Als Abwechslung mlt ge nannter Poſſe ſahen wir einen alten Ritterſchinken in fünf Akten, benam ſet:Die Geiſtermühle bei Saaz, oder der ſtumme Ritter. Akt heißt Handlung, alſo iſt es gewiß billig wenn wir ſtatt 5 Handlungen wenig⸗ ſtens eine zu ſehen verlangten, ein Zeichen daß wir handeln laſſen, aber gar keine Hand lun g! das heißt das Publikum mißhande ln. Wenn doch auch die übrigen Perſonen die ſes Stükes ſtumm wären, ſo hätten wir nicht ſo viel Unſinn reden gehört. Der Verfaſſer war auch ſo beſch e i⸗ den, ſeinen Namen zu verſchweigen. Mit der Zeit wird das Publikum doch einſehen, daß es nur gefoppt wird, daß es mit einem neuen Theaterzettel über ein altes Stükl papierlt ſei, und das pfiffig gemachte Publikum wird den Pfüfferling auspfeifen. Adiapboros.

iszellen.

München. Es wird dem Ver nehmen nach nächſtens ein ſehr glän⸗ zender Maskenzug von den höchſten und hohen Perſonen Statt finden. Anord nerin dieſes Karneval feſtes iſt die Her⸗