Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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genden, reinen Stimme. Vergebens ſtrengen ſich einige Gegner mit großer Hingebung an, ihren Glanz in Rede und Schrift zu verdunkeln, das Pu⸗ blikum jubelt und Mad. Mink tri⸗ umphirt! Aber die Direktion wird gewiß Mad. Mink, ſo lange ſie kei⸗ ne höhern Anſprüche macht, nicht ent laſſen, und wir haben daher die ſchön⸗ ie Hoffnung, dieſe Nachtigall noch lange die unſerige zu nennen, obwohl uns ein hier erſcheinendes Blatt,der Schmetterling, neulich eine rechte Angſt einjagen wollte, indem er etwas ſummte, das ſo lautete, als ob ſie uns zu verlaſſen gedächte. Nein, mein lieber Schmetterling, eine Nachtigall iſt ein etwas präziöſerer Vogel, als ein Schmetterling, den man nicht ſo leicht davon fliegen läßt, daß ihn die Kna ben erhaſchen können. Aber in der Operder Schwur hätten Sie Mad. Mink auch hören ſollen, ſie allein bat dieſes ſchwache Produkt auf die Beine gebracht; ſie und ihre herrlichen Triller, die ihr die Einlage vom Ka pellmeiſter Kreutzer in die Kehle diktirte, denn unſer Hr. Watzinger, deſſen Stimme zu Zeiten der eines neugebornen Kindes gleicht, und Herr Höfer, der manchmal im Beſize einer Greiſenſtimme iſt, konnten der Oper nicht viel anbaben. Auch unſere Chö⸗ re und unſer Orcheſter nicht. So viel von der Oper. Vom Schauſpiel kann ich nicht ſo viel ſagen. Hr. Phi⸗ lipp Weil, den ich ſchon oben Ge⸗ legenheit zu erwähnen hatte, muß ein wahrer Satyriker ſein, denn er ſagte in Ihrer geſchäzten Zeit ung, daßdie Günſtlinge der Mad. Birch-Pfeif⸗ fer mit vielemDecorationsaufwan de werden gegeben werden. Wenn hier etwas Neues gemalt wird, ſo können wir ſicher gewärtig ſein, es neun

Mal mit Abonnement⸗Suſpendu ſehen zu müſſen. Wie freueten wir uns, als

wir ſahen, daf Hr. Ph. Weil blos ſeinen Scherz mit uns trieb. Die Günſtlinge wurden mit unſern gu ten, uralten Verſezſtüken ausgeſtattet, ohne daß wir auch nur einen neuen Pinſelſtrich bemerkten. Pinſel ſt ere i⸗ che gab es genug bei der Vorſtellung dieſerGünſtlinge, die mir übrigens nur als eine zweite verbeſſerte Auf⸗ lage derKönigin von ſechzehn Jah⸗ ren bedünken wollten; aber ich will hier nichts berühren, weil ich, einmal angefangen, in endloſe Raiſonnements gerathen könnte. Doch ſagen wir nichts mehr von einem Schauſpiel, das eher auf den Namen Parodie, als das ehr⸗ liche Wiener Lokal-Singſpiel, An ſpruch machen kann. Uebrigens iſt hier das Ballet abgeſchafſt worden. InRo bert der Teufel,JZampa,der Stummen von Portici dc. müſſen die Choriſtinen nicht nur ſingen, ſondern, ſo gut es geht, auch tanzen; nun ſa⸗ ge man noch, daß wir nicht ſehr ver⸗ wendbare Mitglieder haben! Aber nicht nur im Chor, auch in der Oper erle ben wir die erfreulichen Beiſpiele, daß ein Sänger zwei Parten übernimmt.

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Wien(28. Jan.). Wenn man die Annoncen unſerer Theater betrachtet, ſo glaubt man eine Table d' hôte zu ſehen, denn Alles wimmelt von ſten. Der Stamm zaſt Forti(ſeit undenklichen Zeiten gaſtirend), Wild, Breiting, Fritze, Raimund, Quandt, Mellinger, Kraus-Wranitzky, Hr. und Fr. v. Holtei ſpeiſen an dieſer Table d' hôte, eigentlich aber bewirthen ſie uns und tiſchen recht viel Genie ß⸗ bares auf. Im Ho fopernthea⸗ ter herrſcht immer guter Ton wenn Wild ſingt. Am 16. d. M. trat Hr. Staudigel nach langer Krankheit