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kamen hierher in Feſttagspuz und ohne Waffen, aber ſchiffe nur über jene La— gune und du wirſt die Streitaxt, den Speer, das Schwert und Arme finden, welche die Waffen wohl zu führen wiſſen. Nicht alle Venetianer ſind hier, das merke wohl.“
ö—„Wir brauchen weder euere Sumpfinſeln, noch euere Mauern und Häuſer,“ entgegnete höhnend der Seeräuber—„was wir ſuchen iſt mehr noch, reicher als Venedig ſelbſt mit den Gebeinen des heiligen Markus!“
„Was wollt ihr ſonſt?“ fragte der Patrizier. Die Bräute von Venedig!“ rief der Pirat mit Don—
53 nerſtimme. „Die Vräute von Venedig!“ brüllte die ganze Schar der Iſtrieten und
die Venetlaner erfuhren nun erſt das ganze Unglük, das ſie bedrohte, denn die bewaffneten Männer ſtürzten mit dem wiederholten Rufe:„die Bräute von Venedig!“ heran, um die liebenswürdigen, nun verzweifelnden Mädchen
zu er faſſen.(Fertſezung folgt.)
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Leitung der Novitäten und Anfithten.
Theater.
Peſth) Wenn man nichts be— ſonders Neues weiß, ſpricht man vom Wetter und beinahe könnte ich Ihnen, geehrter Hr. Redakteur und Ihren ſchäzbaren Leſern, nichts als meteoro— logiſche Nachrichten mittheilen, z. B., daß der Winter, der ſo ziemlich gelinde begonnen, nun endlich ſeine Rechte be— hauptet und eine ſtrengere Natur an— nimmt, daß Voreas mit vollen Baken bläſt, daß der Schnee fußhoch liegt und daß die Donau ſchon viel Treibeis fübrt, de. Aber die Wetter-Konver⸗ ſation iſt, wie bekannt, etwas ſehr Abgenüztes und ſeitdem unſere politi— ſchen Zeitungen in jeder Nummer ih— ren Leſern vor allen andern Neuigkei— ten anzeigen, ob es geſtern oder vor— geſtern geregnet oder geſchneiet hat, ob der Barometer geſtiegen oder gefal—
*) Wir entlehnen obigen Bericht aus der geſchäzten Wiener Theater⸗ zeitung, als einen Beweis, wie mon anderwärts von unſerer Bühne urtheilt. 5
len iſt, und dabei ſich oft recht artiger, poetiſcher Floskeln bedienen, auch ganz überflüſſig geworden. Da ich Sie nun nicht mit dem Wetter behelligen ſoll, was wollen Sie, bei den jezigen magern Ereigniſſen, daß ich Ihnen ſchreibe? Hätte ich nur einen Theil des Wizes Ihres genialen Saphirs(und er könnte mir ſo eine kleine Portion da— von ablaſſen; er ſchwämme dennoch im Ueberfluß), ſo würde es mir ein Leich— tes ſein, Etwas aus Nichts hervorzu— zaubern; ich brauchte dann nur einen balben Bogen Papier und in einer halben Stunde ſollten Sie ſehen, was ich Ihren Leſern bieten würde. Aber ich habe nun einmal keinen Wiz; da ich nun keinen habe, wie ſoll ich denn in meinem Berichte ſo recht in die jezt ſo beliebte ſatyriſche Manier gerathen? zumal, da ich von ernſten Dingen dieſesmal nichts Sonderliches zu rap- portiren habe?— Doch Sie erlaubten mir ja, Neuigkeiten vom Theater mit— zutheilen, von der Bühne, die mehr als die Welt bedeutet, wo täglich oder nächtlich ein großes Ereigniß das an⸗ dere verdrängt'; wo heute der Kampf


