Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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dige wirkſame Art und Weiſe, auf welche der befriedigende Ausgang her beigeführt wird, in fortgeſezter, leb hafter Spannung erhalten, und tief und mächtig erſchüttern. Ich ſah ſeit lange keine ſo allgemeine Rührung, als dieſe Entwikelungsſzenen hervorbrachten! Sie bringen nicht nur mit hellen Far ben die Moral des Schauſpiels:die Gefahr der auch nur ſchein bar ver lezten Frauenehre vor das Auge des Zuſehers, ſondern auch den willkom menen Sieg der verkannten Unſchuld! In der Vereinigung Carolinens mit Sir Arthur, die einem Wiener Kri tiker nicht recht behagen will, ſehe ich keineswegs das gewöhnliche Ende der Schauſpiele, ſondern Carolinens Lohn, welche, wahrſcheinlich früher ſchon Lie be für Sir Arrhur fühlend, um ſo mehr unſere Achtung in Anſpruch nimmt, weil ſie jene Leidenſchaft be ſiegtez und zugleich den Umſtand, daß nicht von einer flüchtigen, ſondern ei ner reellen Zuneigung für Carolinen ſchon damals erglühte; in dieſen beiden Rük ſichten erfordert ſie hier die dra matiſche Gerechtigkeit. Auch kann ich dem Ausſpruche, das Stük vertrüge eine Zuſammenziehung in einen Akt, ſchon des halb nicht beipflichten, weil erſtens die Expoſition des erſten Aktes zur Verſtändlichmachung der Verhält niſſe keineswegs zu breit iſt, und weil zweitens die Illuſion, da der zweite Akt nicht wieder bei Lady Gerald, ſondern um 8 Tage ſpäter bei Kapi⸗ tän Cobridge ſpielt, dadurch leiden würde. Herr Koch bewies durch die Uebertragung dieſes Schauſpiels tüch tige Bühnenkenntniß, und entfaltete neuerdings den Reiz ſeines Dialogs. Sein gewandter Geiſt weiß derlei über cheiniſche Produkte ſtets von der rich tigſten, für unſern zarten Bühnenge ſchmak zwekgemäßeſten Seite aufzufaſ den, and in einer tadelfreien Ueber

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ſezung, die ſich ſtets durch eine über aus ſchöne Sprache auszeichnet, hin zu ſtellen. Der Erfolg war heute glänzend. Lebhafter anhaltender Bei fall begleitete viele, und faſt alle Sze nen des zweiten Aktes, und erſcholl am Schluſſe allgemein und tobend. Hr. Koch möge in dieſer brillanten Auf nahme nur eine Aufforderung ſehen, den Garten ſeines poetiſchen Wirkens mit recht vielen ſolchen Pflanzen zu bereichern, welche, wenn auch egotiſch, auf dieſe Weiſe ſorgſam geſezt, auf deutſchem Boden ſtets willkommen ſind. Die Aufführung war in allen Theilen vollendet. Hr. C. Laroche und Dlle Peche wirkten mit echter Künſtlerſchaft und brachten die größte Wirkung her vor. Hr. Löwe war, wie immer, groß und wahr. Mit Würde und edlem An ſtande ſpielte Mad. Löwe, ſo wie Hr. Wothe mit ſehr lobenswerther, beſon nener Mäßigung den Neffen des Ka pitäns gab, ein komiſcher Charakter, der, nur ein Lichtſtreif in dem dũü⸗ ſtern Gemälde, nicht im Vordergrunde ſtehen ſoll. An demſelben Abende kam:Der Großonkel, Luſtſpiel in 2 Aufzügen von Kurländer, neu in die Szene geſezt, zur Aufführung, oh ne jedoch anzuſprechen. Das Stük ſelbſt bietet nichts als eine bunte Verwir rung ohne Pointe und ohne Salz, und wurde auch nur theilweiſe gut ge ſpielt. Hr. Herzfeld, Heinrich, traf als Deutſch⸗Engländer den Ton und das Benehmen vorzüglich. Hr. Fichtner und Hr. Wilhelmi ſpielten mit Laune, Lezterer that aber des Guten etwas zu viel. Felix war leider in den Hän⸗ den des Herrn Lucas, der durch ſteifes und linkiſches Betragen, und durch farbloſen, hölzernen Vortrag, wie im mer, ſtörend auffiel. Sein Erſchei nen auf dieſer Bühne preßt dem Pu blikum jedesmal einen Seufzer aus, manchmal auch noch mehr! Dem. Wildauer