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ner, die nur durch eine ſehr dünne Wand von einer andern getrennt war, in
welcher ein wandernder Violinſpieler öfter zu wohnen pflegte. ungeſchikte Mann übte ſich oft während der Nacht,
Dieſer nicht und ſpielte ſehr ſchöne
Stüke auf ſeinem Inſtrument, die indeß für das Mädchen nichts anderes als
ein ſehr läſtiger Lärm waren.
wohlthätigen Dame in deren
Nach Verlauf von 6 Monaten, welche das Mädchen bei dem Pächter zugebracht hatte, Haus aufgenommen,
ward es krank, und nun von einer wo man nach feiner Gene—
ſung bei Nacht oft die ſchönſte Muſik hörte, ohne daß man ſich hätte erktären
können, wer der unſichtbare Tonkünſtler ſei.
Als man ſich endlich die Mühe
nahm, dem Schall nachzugeben, fand ſich, daß er aus dem Schlafzimmer des Mädchens kam, das im tiefſten Schlafe mit dem Munde die Töne einer Geige nachahmte. Bei fernerer Beobachtung fand ſich, daß das Mädchen, nachdem es
ungefähr 2 Stunden im Bette gelegen,
murmeln anfing. Dann ließ
Violine glichen, und ging endlich nach einem Vorſpiel zu Ausführung von Muſikſtüken über, die ganz im Ton einer Geige und mit den zarteſten Mo—
dulationen dieſes Inſtruments bielt das Mädchen oft inne,
ſtimme, und fing dann Dieſer Parorismus trat in 14 auch 20 Nächten ein,
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durchgeführt wurden. Während dieſes Spiels
als ob es die Visline wo es aufgehört hatte.
regelmäßigen Zwiſchenräumen von einer bis zu und war gewöhnlich von einer
Art Fieber begleitet.
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——— DSS
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Leitung der Novitäten und Anſich
Theater.
Wien(25. Jan.). Das Hof— burgtheater vermehrte ſein Re— pertoir mit dem neuen Schauſpiele: „»die Vorleſerin“, nach dem Franzöſi⸗ ſchen des Vayard von C. W. Koch, auf eine würdige Weiſe. Um nicht das In⸗ tereſſe daran, da ich nicht zweifle, daß diefes artige Drama viele deutſche Büh⸗ nen beſuchen wird, bei einem andern Publikum durch eine detaillirte In— bal tsanzeige in vorhinein zu beein— trächtigen, will ich das Sujet in einer bomöopathiſchen Gabe mittheilen: Ka— roline(Dem. Peche), in Lincoln ver⸗ beirathet, verliert durch die Dreiſtig⸗ keit eines jungen Offiziers, der bei Nacht in ihr Fenſter ſtieg, allein, wie es ſich gebührt, zurükgewieſen wurde, ihren Ruf, und ihren Gatten,
ten.
und wird dafür mit dem Fluche des Vaters beladen. Verlaſſen und verach— tet, arm und hilflos, ſucht ſie allent— halben ein Aſyl, verdingt ſich als eine Vorleſerin bei einer Dame in Frank⸗ reich, kommt mit dieſer nach Schott— land, allwo ſie nach deren Tode an Lady Gerald(Mad. Löwe) empfohlen wird. Hier trifft ſie zufällig in Sir Arthur, einem Verwandten der Lady, den jungen Offizier(Hr. Löwe) wie— der, und in dem blinden Kapitän Co- bridge, der ſie als Vorleſerin zu ſich nimmt— ihren Vater(Hr. Laroche). Wenn auch der Zuſeher jezt ſchon das Reſultat des zweiten Aktes, nämlich die Ver ſöhnung mit dem Vater durch den Beweis ihrer Schuldloſigkeit und die Darſtellung ihrer flekenloſen Ehre, ſo wie die eheliche Verbindung mit dem jungen Manne vorausſieht, ſo wird dennoch das Wie, die bühnenkun⸗
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