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genͤgte der Nachſicht. Die immer vor— gebeugte Haltung ihres Körpers, und ihr quaſi Aufſagen der Rolle beleidi— gen Aug und Ohr. Das Stük wurde ſehr lau aufgenommen, und iſt— dem Himmel ſei Dank— wieder vom Re— pertoir verſchwunden. Wir bedauern nur, daß es den günſtigen Eindruk der Vorleſerin etwas verwiſchte: wir wären ſo gern mit dieſem nach Hauſe gegangen!— Von den andern Bühnen kann ich nicht viel Neues künden. Das Kärntnerthortheater wärmt uns immer Kohl auf, höchſtens mit einer kleinen Aenderung der Zuberei— tung, z. B. Hr. Wild als Robert, zwar eine meiſterhafte Leiſtung.— Das Theater an der Wien ver— troknet an ſeinem Stamme, des halb fallen auch Blätter und Zweige, gelb und ausgedorrt, ab.— Das The a- ter in der Leopoldſtadt bringt durch Raimunds Gaſtſpiele Leben in ſein Wirken, und Geld in die Kaſſe. — Das Theater in der Joſepph⸗ ſtadt hält ſich mit der Oper und den Gaſtſpielen der Mad. Kaus-Wranitzky, deren Leiſtung in der„Nachtwandle— rin“ wahrlich eminent iſt, worin auch Hr. Kreipl als Elwin mit jedem Male durch ſeinen ſchönen, zum Gemüthe ſprechenden Geſang, und durch ſein braves Spiel im böheren Grade über— raſcht. Hr. Mellinger wollte als Graf im Geſange nicht recht durchgreifen. Vom Spiele dieſes Neulings iſt nicht zu ſprechen, das iſt noch unter der Kri— tik. Dann gaſtiren noch Hr. und Mad. Holtei fortwährend in des Erſteren Stüken, allein das Publikum fängt an, ſich ſparſamer einzufinden und we niger zu klatſchen. Es erwacht aus dem Rauſche, in den wahrlich kein edles Getränk(Lorbeerbaum und Bettelſtab) es verſezte, und erkennt in dem„Dum⸗—
men Peter“, dem„Achtel vom großen Looſe“ und in der„Vettlerin“ recht nüchterne Produkte.— L.
fliszellen.
paris. Eine junge und hübſche Puzmacherin brachte ſich in der Neu⸗
jahrsnacht durch Kohlendampf ums Lu ben, nachdem ſie ihr Bischen Hab' und Gut einer unbezähmbaren Spielwuth geopfert hatte. In einem hinterlaſſe— nen Abſchiedsſchreiben an ihre greiſe Mutter erklärte ſie, von einem Da— ſein ſcheiden zu müſſen, das ſie ſeit— her in Wohlleben und Bequemlichkeit verbracht habe, künftig aber nur durch angeſtrengte, ihr ungewöhnte Arbeit hätte friſten können. B. Leipzig. Bei uns können die Aerzte häufig den Leuten nicht Arznei genug geben, auf der Inſel Island dagegen kann man den Leuten nicht Aerzte genug geben. Die Inſel, wel— che 1400 Meilen im Umkreiſe hat, be— ſizt nämlich nur 5 Diſtriktsärzte, ei— nen Landphyſikus, und eine Apotheke. — Man will bemerkt haben, daß die Leute auf Island ſehr alt werden. F. Paris. Donizetti iſt hier ange kommen. Er ſchreibt für die hieſige italieniſche Truppe eine neue Oper: „Marino Faliero.“ E.
Nachtrag. Das in dieſen Blät— tern Nro. 5 erwähnte kalligraphiſche Tableau v. J. Fiſcher iſt auch in Wien beim Kunſthändler J. Bärmann am Graben zu haben. Preis 2 fl. C. M.
Modenbil d. Nr. 5.
pariſer Herrenanzüge vom 15. Jan. Arabiſcher Mantel ganz neuer Art.— Oberrot mit Schnuren geziert und mit nordiſchem Pluſch gefüttert.
l Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


