Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
63
 
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wollten, ob dieſe gut einfugten. Der ſcheinbare Diener ſprach kein Wort, ſondern that ſtumm Alles, was der Heer befahl. Sobald die Fenſter ge ſchloſſen waren, ſprach der Herr zu der Portierfrau.Du glaubſt, wir wären gekommen, um das Haus zu kaufen? Wir ſind hier um Alles zu ſtehlen was Du beſizeſt. Die Frau war bei die⸗ ſen Worten mehr todt als lebendig und zitterte an allen Gliedern. Der Herr befahl darauf dem Diener alles zu durchſuchen und einzupaken; dies ge ſchah, während er mit einem Dolche die Unglükliche in Angſt hielt. End lich verſuchte dieſe, vermuthlich da ſie zu hören glaubte, daß jemand komme, einigen Widerſtand zu leiſten, worauf ſie aber von den Verbrechern aufs ſchrek⸗ lichſte gemißhandelt wurde. Sie ſchrie: Nehmt alles was ich habe, aber laßt mir nur das Leben für mein Kind. Die Verbrecher antworteten: eee können kein Mitleid haben; wir müſ⸗ ſen alles vertilgen was uns ſchaden kann. In dieſem Augenblik rief die Frau, ſei es um ſich zu retten, ſei es weil ſie es für die Wahrheit hielt: Da kommt mein Mann, ich höre ſeine Schritte, er hat den Schlüſſel zur Thür! Auf dieſe Worte ſprach der Mörder, der den Heern vorſtellte, zu ſeinem Diener:Fort, rette ſich wer kann!, und Beide machten ſich mit allen Effekten, die ſie genommen hat ten, auf und davon. Die Portier frau iſt erſt 26 Jahr alt und hat ein kleines Kind. Ihre Hände und Arme ſind ganz von Stichwunden zerriſſen, da ſie ſich mit denſelben Ge ſicht und Bruſt gegen die Mörder zu deken ge⸗ ſucht hatte. B. Paris. Ein Mädchen aus Ne vers iſt auf höchſt ſeltſame Weiſe wahn⸗ ſinnig geworden. Am öten Januar d. 5 hatte ſie einen gewiſſen Ca... ge⸗ heirathet; es war eine Verbindung

aus Neigung. Doch mitten in der Nacht hörte man plözlich ein ſchrekliches Ge ſchrei. Als man hinzukam erfuhr man, daß die junge Gattin an ihrem Mann die Zeichen der Brandmarkung durch den Henker entdekt hatte, und aus Verzweiflung darüber ſofort in wilden Wahnſinn ausgebrochen war. P. Paris. Am 7. Jan. iſt Mlle. Duchesnois, dieſe berühmte tragiſche Schauspielerin, nach einer langen und ſchmerzhaften Krankheit verſtorben. B. Berlin. Die hieſige Voß' ſche Zeit. enthält folgende Anzeige:Ein wohlgebildeter junger Mann, von acht barem Stande, mit einem disponiblen Vermögen von 80,000 Thlr.in Ber- lin wenig bekannt, wünſcht eine junge Lebensgefährtin, die von guter Fami- lie, und nur reich an lieblichem Aeu ßern und wahrer Herzensgüte zu ſein braucht. Hierauf Reflektirende mögen nun dieſe ernſtliche Annonce vertrau ungsvoll beachten, und wohl verſiegelt, Adreſſe und nähere Verhaltniſſe, ohne alle Umwege unter 2. 71. im Intell. Komt. gefälligſt abgeben laſſen. D. Havre. Ein verabſchiedeter See mann, der in der Nähe von Havre lebte, wollte ſeinem Alter zugleich eine Stüze und ſeiner jungen Köchin einen Beweis ſeiner Dankbarkeit ge ben, entſchloß ſich alſo, dieſelbe zu heirathen. Schon war zur Hochzeit alles bereit, das Paar war in der Kir che und ſollte eben durch die Weihe des Prieſters verbunden werden, als man den Bräutigam eilig einen Brief über brachte, der ihn benachrichtigte, daß et ſeine eigene Tochter heirathen wolle. Die Mitheilung kam von ſo guter Quelle, daß kein Zweifel dagegen auf⸗ kommen konnte. Seine Vraut Katha rine war ein Findelkind, und ihre Mutter, die es nie aus den Augen ver loren hatte, gab über die Zeit ihrer Geburt und die Vaterſchaft des alten