Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
62
 
Einzelbild herunterladen

62 4

Leitung der Novitäten und Anfichten.

Theater.

Brannſchweig. Der von der Sängerleihanſtalt dem Grä⸗ tzer Theater geliehene, von dort aber unter dem Vorwande einer Kränklich⸗ keit abgegangene, nun zu Braun⸗ ſchweig ſich erholende Tenoriſt Buß⸗ mayer, macht hierſelbſt kein Glük. Man lobt zwar ſeine hübſche Methode, findet jedoch ſeine Stimme klang- und metalllos und den Patienten keiner Beſſerung fähig. Obige Leihanſtalt fordert nun für ihren Sänger 1000 fl. C. M. Die hieſige Direktion ſoll aber nicht geneigt ſein Zahlung zu leiſten und zieht im Einklange mit ihrem Publikum vor, das Corpus de- licti zu Oſtern portofrei zu retour⸗ niren. Die Sängerleiher, welche ſo eben die Theater zu Grätz und Brünn mit Tenoriſten verſahen, ſind wieder im Beſize eines neuen, den ſie unter billigen Bedingniſſen ablaſſen können, auch gedenken ſie, den Wünſhen ihres Publikums zu Folge, ihre Anſtalt mit einer Auktion in Verbindung zu ſezen und das ihnen eigenthümlich an gehörige Creti und Pleti um ein Bil⸗ liges loszuſchlagen 10 5 l.

Paris. Man ſpricht ſtark da von, das nächſtens die deutſche Muſik unter Pariſer Himmel akklimatiſirt werden. Deutſche Muſik, geſungen von Deutſchen, exekutirt von Deutſchen. Es boten ſich aber ſtets dem Er folge ſolcher Unternehmungen manche Schwie- rigkeit dar. Anſtatt aber mit großen Koſten ganze Opern oder auch nur Fragmente derſelben zur Darſtellung zu bringen, würde man ſich vielleicht

) Wo hat dieſe Leihanſtalt ihren Siz? R.

an fangs blos auf Szenen aus den er ſten deutſchen Partituren, ſelbſt auch nur auf Geſangſtüke und Balladen be⸗ ſchränken. Es ſind kleine Szenen, de ren dramatiſches Enſemble die Einbil⸗ dungskraft befriedigen, während ihre originelle Melodie, das hartnäkigſte muſikaliſche Ohr ſchmeichelt, ohne es zu langweilen. Gewöhnlich iſt die Par⸗ titur eben ſo einfach und nett, als die Idee. M,

London. Am 12. Jan. wird die franzöſiſche Schauſpielergeſellſchaft im hieſigen Opernhauſe ihre Vorſtellun⸗ gen beginnen. Dem. Mars iſt enga⸗ girt; ſie dürfte hier dem Theater für immer Lebewohl ſagen. Die Damen Albert, Wolnis, Dejazot; die Her ren Boußfé, Arnal und andere berühm⸗ te Künſtler haben ebenfalls Konteakte geſchloſſen. Ein großer Theil der Lo⸗ gen ſollen bereits vermiethet ſein.

Al.

Miszellen.

Parise. Vergangenen Sonna bend iſt hier ein äußerſt verwegener Diebſtahl vorgefallen. Auf dem Quai Bethune war ein leer ſtehendes Haus zu verkaufen Unter dem Vorwande, es zu beſichtigen, kamen zwei Leute zu der Portierfrau, welche alle Abende bis 8 Uhr allein iſt, weil ihr Mann als Tiſchler in der Stadt arbeitet. Die angeblichen Käufer ſchienen mit dieſen Umſtänden genau bekannt zu ſein. Ei⸗ ner von ihnen war in eleganter Zivil kleidung, der andere in einer Art von Lioree. Sie beſichtigten und maßen den Hof aus, und gingen dann ins er ſte Stokwerk, wo der Portier ein Schlafzimmer hat. In dieſem verſchloſ ſen fie alle Fenſter, als ob ſie ſehen