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geheuere Lafette iſi 29 Fuß lang, fie ſchießt Kugeln von 157 Pfund und muß
mit 12 Pfund Pulver geladen werden.
Napoleon wollte ſie vor dem Invali—
denhauſe in Paris aufſtellen, unter der Reſtauration ſollte ſie eingeſchmolzen
werden, nur der Zufall erhielt ſie.
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Leitung der Novitäten und Anfichten.
Aliszellen.
Wien. Der Karneval wird bier ſehr lebhaft celebrirt. Unſere Puz⸗ und Modehandlungen haben die Hände voll zu thun. Neulich ſoll ſogar ein fühlbarer Mangel in Damenhandſchuhen eingetreten ſein, indem faſt alle Vor— räthe vergriffen wurden.-A.
Paris. Der bekannte franzöſi⸗ ſche Gelehrte, Hr. Michelet, wird nächſtens„Memoiren des Dr. Luther“ herausgeben. Der Vater des kürzlich zu Paris geſtorbenen kön. bayer. Ge— ſandten v. Pfeſſel, Chriſtian Friedrich, war herzogl. zweybrükenſcher geheimer Staatsrath, darauf Publiziſt im fran⸗ zöſiſchen Miniſterium des Aeußern, und ſtarb(1807) 81 Jahr alt. Er gehörte zu den Gründern der Münchener Aka— demie, des großen Urkundewerks der Monumenta boica, und unter die ge⸗ diegenſten Verfaſſer der Abhandlungen jenes gelehrten Körpers, die für die Geſchichte des geſammten Oberdeutſch— lands ſo fruchtbringend geworden find.
f B.
Berlin. Der berühmte Dr. Heim, kürzlich in Berlin geſtorben, erzählte gern folgende Anekdote aus ſeinem Leben.„Ich werde eines Ta—⸗ ges zu einem Weber in der Wilhelms ſtraße gerufen, fahre hin, klettere drei Treppen hoch, und finde eine gefähr— lich kranke Frau inmitten der bitter ſten Armuth. Ich verſchreibe Medizin und gebe dem Manne Geld. um ſie fer⸗ rigen zu laſſen. Dies wiederholte ich,
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ſo oft ich kam. Die Frau beſſert ſich und bedarf der Stärkung; ich gebe dem Manne deshalb dann und wann eine Flaſche Wein aus meinem Keller. So vergehen ſechs Wochen, und die Frau iſt geſund. Da klopft's, eben als ich ausfahren will, eines Morgens an meine Thür; der Ehemann der Gene— ſenen tritt herein, und fragt mich, was er ſchuldig ſei. Ich antwortete ihm, er möchte es nuͤr gut ſein laſſen. „Ne! meint er, da kennen Se mir— noch nich, Herr Jeheimderath! Jeden det Seine; ik dhue ooch niſcht umſonſt.““ —„Laß er nur ſein!“ rufe ich und will gehen.„Ne, ne!“ antwortete er und hielt mich feſt,„ik muß det erſt abmachen!“—„Nun ſo gib mir einen Thaler!“ ſagte ich zum Scherze.„Ei— nen Thaler?“ wiederholt er, und ſieht mich, während er in die Weſtentaſche greift, ſtaunend an.„Ach, Herr Je— heimderath! Ik dächte, ſechszehn Iro— ſchen wär'n woll doch jenuch!“—(Die ihm hierauf gereichten vier Viergro— ſchenſtüke nahm Heim, und behielt ſie als Whiſtmarken.). Paris. Die Gazette enthält einen Artikel über das Pflaſter, den Straßenkoth und die Polizei von Paris. Sie tadelt die Verwaltung, daß ſie einen Straßen-Reinigungs-Plan eines italieniſchen Ingenieurs, Hrn. Griſi, nicht angenommen. Das Thema des Ar— tikels iſt folgendes: Paris, die Haupt⸗ ſtadt des Königreichs Frankreich, iſt eine große und ſchöne Stadt, aber ſehr ſchlecht gepflaſtert und ſehr ſchmuzig. „den Pariſerinen, heißt es weiter,


