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wäre es übrigens unlieb, wenn die Straßen reinlich würden. Sje würden Gefahr laufen, mit den Provinz-Oa⸗ men verwechſelt zu werden, ſie würden die Gelegenheit verlieren, ihre Reize, ihre Leichtigkeit im Laufen von einem Pflaſterſteine zum andern, im Hüpfen über die Bäche, ohne daß der geringſte Kothſprizer ihre weißen Strümpfe und ihre eleganten Toiletten berührt, be— wundern zu laſſen.““ Man ſieht, die Gazette hat noch Manches von der che— valeresken Kourtoiſie des alten Hofes, g N. Leipzig. Als ein Zeichen der Anerkennung der hohen Wichtigkeit des zu Leipzig errichteten deutſchen Buch— händler-Vereins für die Stadt Leipzig, und der regen Theilnahme der leztern an der Feier der Gtundſteinlegung zu der neuen Buchhändlerbörſe, hat der Stadtrath im Verein mit den Stadt— verordneten bei der gedachten feſtlichen Gelegenheit den fremden, zur Ein— weihung deputirten Buchhändlern, Hrn. Enslin aus Berlin, Hrn. Fromann aus Jena und Hrn. Schwetſchke aus Halle, nicht weniger den beiden aus— wärtigen Mitgliedern des Verwaltungs ausſchuſſes den Herren Verthes aus Go— tha und Dunker aus Berlin, das Eh— renbürgerrecht ertheilt. 9 Straßburg. Zu Savieres, im Departement der Aube, wohnte ein Zimmermann, der ſich faſt täglich be— rauſchte, und dann ſeine Frau und ſeine drei Kinder, wovon das älteſte? Jahre alt, das jüngſte noch ein Säug⸗ ling war, arg mißhandelte. Die Frau bettete die Kleinen oft in die entle— genſten Winkel des Hauſes, oder auch bei den Nachbarn, um ſie dem Wüthe⸗ rich zu entziehen, wofür ſie ſelbſt frei- lich um ſo härter leiden mußte. Kürz⸗ lich kam er mit Anzeichen ganz beſon⸗ 2
derer Wuth nach Hauſe. Die arme Frau brachte die Vetten der Kinder in ein zimlich entlegenes Gewölbe, und
glaubte hier ihre Lieblinge geborgen.
Am andern Morgen, als ihr Mann zur Arbeit gegangen war, öffnete ſie die Thür, als ihr ein ſchreklicher
Qualm, und hierauf eine dichte Flam⸗
me entgegen ſchlug; entſezt ſtürzte ſie
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hin und fand ihre Kinder aufs Schrek⸗
lichſte verbrannt. Ihr Jammergeſchrei zog die Nachbarn herbei; auch der Va— ter wurde geholt, ſah aber mit empö— render Gefühlloſigkeit auf die Ueberre— ſte ſeiner Kinder. Man hat den Un— menſchen ſtark im Verdacht, daß er ſelbſt das Feuer angezündet habe, um ſeine Kinder zu verbrennen. Er iſt in den Händen der Behörde. 3. Berlin. Ein Fremder kam in ein—— ſches Städtchen. Das Blei⸗ ſtiegel des Gränzmauthamtes ſperrte ſeinen Koffer. Ein Zöllner fand ſich ein, ſein Trinkgeld zu fordern und das hermetiſche Siegel zu löſen. Der Fremde, der weder verzollbare noch ver— botene Waaren bei ſich führte, reichte dem Beſchauer eine Kleinigkeit. Die— ſer, nicht zufrieden und an reichere Spenden gewohnt, ſchüttelte den Kopf mit den Worten: Sein der Herr nicht ſo genau; ich mag auch nicht wiſſen, was Ew. Gnaden in Dero Koffer ha— ben. Fremder. Durchſuchen Sie den— ſelben. Zöllner. Behüte, ſo unbe⸗ ſcheiden bin ich nicht(die Hand aufhal⸗ tend). Fremder. Laſſen Sie mich in Frieden! hier ſind die Schlüſſel zum Koffer; ſehen Sie Stük für Stük durch. Sie finden nichts Verdächtiges darunter. Zöllner. Glaub's, war⸗ um ſoll ich aber darunter leiden? V. Paris. Nie wurde in Paris ſo viel geſtohlen, als gegenwärtig. In 2 Tagen kamen in den verſchiedenen Quartiren der Stadt 30 mehr oder minder bedeutende Diebſtähle vor. B.
Hängende Ball⸗Loken, welche nie aufgehn, ſind in Melber's Friſeur-Gewölbe in Peſth, Maria-Do— rot heagaſſe, Nro. 8, zu haben.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſe n,
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