Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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Sitten der Holtän der. 5 Selten wird ein Fremder durch eine holländiſche Stadt gehen, ohne ei nem Manne in einem langen ſchwarzen Gewande und einem niedrigen dreieki gen Hute zu begegnen, von dem hinten ein ſchwarzer Flor herabhängt. Es iſt dies eine öſſentliche Perſon der An ſprecher und er hat bei dem Tode einer Perſon alle Freunde und Bekannte derſelben von dem traurigen Ereig⸗ niſſe zu benachrichtigen. Das Begräbniß eines Holländers iſt je nach der Ta⸗ geszeit koſtſpielig. Findet die Beerdigung nach 2 Uhr ſtatt, ſo koſtet ſie 25 Gulden, nach 5 Uhr 100 Gulden und ſpäter die doppelte Summe. Den Grund von dieſem ſeltſamen Gebrauche habe ich nicht ermitteln können. Die weitläu figſten Verwandten und entfernteſten Vekannten folgen ihm zum Grabe.) Nach der Beſtattung machen die Leidtragenden ihr Kompliment der Wittwe oder den nächſten Verwandten, die für geiſtige Getränke ſorgen. Das Glas, geht drei oder viermal herum, worauf ſich alle entfernen bis auf die naͤcßſten Verwand⸗ ten und Freunde, die beſonders eingeladen worden ſind. Man trinkt zum Ge⸗ dächtniß des geſchiedenen Freundes und auf das Glük der Hinterlaſſenen, bis der Kummer ganz ertränkt iſt. Dann fängt man an zu ſingen, holt Muſiker, die Wittwe tanzt vor und dies dauert bis der Morgen die fröhlichen Leidtra genden trennt. Dieſe ſeltſamen Leichenſchmäuſe, die übrigens alrch in Deutſch⸗ land nicht ſelten ſindwurden ſo übertrieben, daß man ſie in der Provinz Oberryſſel ganz und gar unterſagt hat. Iſt Jemand krank, ſo wird ſtatt den Thürklopfer anzubinden wie in England, oder das Bulletin, auf dem gale auszulegen wie in Deutſchland, ein Bretchen vor die Hausthüre ge hängt, worauf auf einem Stüke Papier das Befinden des Kranken bemerkt iſt. Bei einer Entbindung iſt dieſer Anſchlag geſchmakvoll herausgepuzt; manche haben darneben ein Käſtchen angebracht, worein die Nachfragenden eine Karte ſteken können gewiß empfehlenswerth. Bei Hochzeiten wird in England Cund in Deutſchland nur noch auf dem Lande) Brautkuchen berumgeſchikt, in Holland dagegen ſendet das neue Ehepaar ſeinen Freunden zwei Flaſchen Wein, gewürzt und gezukert(gewöhnlich vom beſten), und mit einer Menge Baͤn⸗ der bepuzt. a

Das Arſenal in Metz. a

f Das Arſenal in Metz iſt Eines der ſchönſten, welches Frankreich beſizt.

In dem großen Saale ſind mit bewundernswerther Ordnung Säbel, Flinten und Piſtolen für 150,000 Mann, Kavallerie und Infanterle, aufgeſtellt. Man bemerkt hier auch das Spielwerk des Marſchalls von Sachſen, eine Art Wallflinte auf einer Lafette. In den großen Höfen liegen die Bomben, Hau bizen und Kugeln zu Hunderttauſenden; Geſchüz und Material aller Art iſt in wunderbarer Anzahl vorhanden. Unter dieſen Maſſen zeichnet ſich der Greif aus, das längſte und ſtärkſte Geſchüß, das es in Europa gibt. Es wurde 1529 gegoſſen und befand ſich zu Ehrenbreitſtein, als die franzöſiſche Armee dieſe Veſte 1800 eroberte. Dieſe Feldſchlange hat eine Länge von 17 Fuß und wiegt 22,300 Pfund. Am Hintertheile hat ſie einen Durchmeſſer von drei Fuß und die Mündung einen von zehn und einem halben Zoll. Ihre un⸗

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