Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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Herzen wartete er die zehnte Stunde ab, um ſich melden zu laſſen. Dieſer

Meldung bedurfte es nicht, denn ſobald es 10 ſchlug, fragte der König einen

Lakeien:Iſt der Grünrok da? Ja, war die Antwort.Laß ihn her einkommen! Er wurde gerufen. Friedrich redete ihn in ſehr ſtrengem Ton n:Jezt werde ich ihm ſchon zeigen, daß es in meiner Macht ſteht, mich nicht weiter mehr von ihm beläſtigen zu laſſen! Der ſo ernſt Angeredete zitterte heftig.Hier, fuhr der König jezt fort, von einem Schreibtiſch ein Papier nehmend,hier hat er ein Schreiben an den Herzog Ferdinand von Braunſchweig. Ich hab' ihn dem Herzog zum Provfantkommiſſär empfoh len. Und hier, indem er ihm ein kleines Paket gab, hat er Reiſegeld. Nun reiſ' er mit Gott, und bleib' er ein 8 Mann! Im n be⸗ fanden ſich 10 Friedrichsd' or.

* Muſikaliſches Rindvieh.

Ein ſchwäbiſcher Schneider, der mit großer Fertigkeit auf der Geige ſpielt, ging vor einiger Zeit von dem Jahrmarkt zu Darbach, wo er mit ſeiner Kunſt paradirt hatte, nach Hauſe. Eben ſchritt er quer über ein Feld, als er plöz lich einen wüthenden Stier in gewiſſer Entfernung auf ſich loskommen ſah. Der Schneider machte in ſeiner Angſt den Verſuch, auf einen Baum zu klettern, was ihm aber nicht gelingen wollte. Nach verzweifelten Hin- und Herſinnen kommt er plözlich auf den glüklichen Einfall, die Zauberkräfte der Muſik zu erproben. Kaum hörte der Stier die Töne des Inſtrumentes, als er mit ei nem Male wie tief gerührt ſtehen blieb. Der Schneider wollte ſich die mo mentane Entwilderung ſeines furchtbaren Gegners zu Nuze machen und Fer ſengeld geben, aber kaum verſtummte die Geige, ſo kam auch das Thier auf ihn los. Der arme geängſtigte Virtuos mußte mit ſeiner zitternden Hand von Neuem fiedeln; er fiedelte in wahrer Todesangſt 4 volle Stunden lang, und während dieſer ganzen Zeit war der gehörnte Tyrann wie feſtgebannt. Endlich wurde der Schneider durch einige Knechte, welche kamen, um Kühe zu melken, aus ſeiner peinlichen Lage erl. 8:

Begräbniß einer Violine.

Es iſt keine Myſtifikation, keine rhetoriſche Figur, ſondern ein wirkli ches Faktum, in London geſchehen. Elne Violine ruht im Grabe neben ihrem Eigenthümer. Einer der herumziehenden armen Teufel von Muſiker, welche man in allen großen Städten Europas findet, die von den Almoſen leben, welche man ihnen aus den Fenſtern zuwirft, ſtarb in London. Da er immer in dem jämmerlichſten Aufzuge erſchlenen war, ſo erſtaunte man nicht wenig, als man ſeine Angelegenheiten völlig geordnet, ein regelmäßiges Teſtament und eine zimliche Anzahl Banknoten in dem Bauche ſeiner Violine fand. In ſeinem Teſtamente verlangte er, man ſolle das Inſtrument, das ihm ſeinen Lebensunterhalt gegeben und die Banknoten, welche er ſich verdient, neben ihm in das Grab gelegt werden. Aber man vollzog das Teſtament nur zur

Hälfte.