Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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zweitens eine Verſchwendung. Nein, mit drei Pence in der Hand wartet er gemächlich unter ſeiner Thüre, und der erſte Omnibus, der vorüberfährt, bringt ihn vom Jardin des Plantes zur Straße Rivoli. Ich ſagte, in Pa⸗ ris ſeien wenige arm, wenige reich Jeder Arbeiter verdient ſich im Durch⸗ ſchnitt achthunderts Franks jährlich. So ziemlich jeder, der arbeiten will, findet Beſchäftigung, und das Einkommen des Pariſers beträgt im Durchſchnitt tauſend Franks. Darauf beruht die Gleichheit, welche uns ſo auffällt, und die Herrſchaft der eben beſchriebenen Mittelklaſſe. Dieſes Einkommen von tauſend Franks hat Millot in Poſten abgetheilt, und nach ſeiner Berechnung koſtet der Waſſerträger den Pariſer mehr als der Schulmeiſter, die Neujahrs⸗ geſchenke mehr als der Geburtshelſer, das Theater zweimal ſoviel als die Amme, der Bücherverleiher und Buchhändler halb ſoviel als das Theater, das Bad ſoviel als Bücherverleiher und Buchhändler, und für Lupus und Vergnü⸗ gen wird beträchtlich mehr ausgegeben, als für den koſtſpieligſten Artikel eines Pariſer Haushalts, das Brennmaterial. Und man glaube nicht, daß der Lu ſtigkeit der Pariſer das Pariſer Klima entſpricht. Wer jezt in unſerem Land der Nebel das Wetterglas beobachtet, mag wiſſen, daß auch der Pariſer in Betreff des Wetters ſich zu beklagen Urſache hat.

(Beſchluß folgt.)

Der Zu dringliche.

Als Friedrich der Große einſt in Breslau die Garde muſtern wollte, trat ihn ein verunglükter Kaufmann mit der Bitte an, ihm eine Stelle bei dem Kriegskommiſſariate zu geben. Mißgelaunt, fuhr er den Vittenden mit den harten Worten an:Pak er ſich! und ritt weiter. Bei der Rükkehr von der Beſichtigung der Truppen näherte ſich ihm der Kaufmann wieder, und wiederholte ſeine Bitte. Noch unwilliger, rief der König, den Krükſtok em porhebend:Will er wohl ſort! Gleich pak' er ſich! Am folgenden Morgen wollte er die Feſtungswerke vor dem Oderthore beſehen. Der Kaufmann harrte ſeiner vor der Thüre ſeiner Wohnung, und flehte zum Orittenmal um eine Verſorgung. Dieſe Zudringlichkeit brachte den König auf; ſchneller rei tend, befahl er, dieſen Menſchen nicht wieder vor zu laſſen. Als er nach ei⸗ nigen Tagen des Mittags von der Parade zurükritt, und um eine Straßeneke bog, kam der Kaufmann wieder zum Vorſchein, ſein Geſuch wiederholend. Höchſt aufgebracht, wandte ſich der König mit der Frage an den neben ihm reitenden General Lentulus:Gebe er mir doch einen Rath, wie ich den Kerl los werde. Der General ſchwieg.Hör' er mal, ſprach er darauf zu dem Kaufmann:Ich hab' Alles verſucht, ihn mir vom Halſe zu ſchaffen, aber Alles war umſonſt. Jezt weiß ich ein Mittel, das helfen wird. Komm'

er Morgen um 10 Uhr zu mir. Das Wiederkommen ſoll ihm ſchon vergehen!

Der ungewöhnliche Ernſt, mit dem Friedrich dieſe Worte geſprochen, beunru⸗

higte den Supplikanten ſehr. Er ſchwebte in der größten Angſt, was ihm be⸗

vorſtehen würde; aber er überlegte, daß er den Zorn des Königs noch mehr reizen dürfte, wenn er ſeinem Befehl nicht Gehorſam leiſtete. Am folgenden Morgen hatte er ſich daher ſchon um 9 Uhr eingefunden. Mit beklommenem

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