Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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thiſche Deſſins, Weiß auf Weiß, oder Roſa auf Roſa, brochirt ſind.

8. In dieſem Augenblik werden die Viſitenkleider ſehr einfach getragen. Waſſer⸗ grüner Pou de Soie iſt von gutem Geſchmak; bie und da gibt es Ruchen-Garnfrungen. Zur Koeffüre findet man doch noch hie und da ein Barret, es ſei von ſchwarzem Sammet oder von farbiger Gaze.

9. Ja allen Reunions ſind die Dia⸗ manten an der Tagesordnung, ſowohl zu Halsketten, als auch zu Ohrringen und Na⸗ deln, man begegnet ihnen überall.

10. Die Fächer ſind immer ſebr groß; aber man verfertigt, neue im antiken Genre. Die ausgewählteſten ſind von Scheldkrot mit Gold belegt; die Malerei iſt außerordentlich koſtbar.

11. Im Allgemeinen tragt man we⸗ nig Halsketten; das Geſchmeide beſchränkt ſich auf Ohrringe, Bruſtnadeln und Ringe.

12. Die Ateliers des berühmten Schnei⸗ ders Hr. Hum ann ſind jezt mit den ſchön⸗ ſten Winteranzügen für Herren beſchäftigt. Ein Faſhionable kann ſich unmöglich gut tlei

1 0 wenn ihn nicht dieſer geſchikte Schneider edient. Hr. Humann iſt jezt der Schnei⸗ der en vogue, ja man kann ſagen, er iſt der Schneider des jungen Frankreichs. Sein ſtets graziöſer und ausgezeichneter Schnitt verdient das größte Lob. Die Oberröke die er jezt verfertigt, ſind größtentheils von ka⸗ ſtanienbraunem Tuche, mit Aufſchlägen und Kragen von Sammet. Der ganze Rok und die Vordertheile ſind oft durchaus mit Sam- met gefüttert.

13. Die Pantalons, die Herr Hu⸗ mann ſo ſchön zu ſchneiden weiß, ſind von Tuch mit ſchrägen Streifen. Dieſe Art Tuch iſt ganz neu und ſehr ausgezeichnet.

14. Man gibt noch ciſelirte Knöpfe auf die Frats. Dieſe Knöpfe ſind vergoldet oder verſilbert; aber man hat ſie blos nur zu Negligeeanzügen.

15. Der berühmteſte Banquier von Paris läßt ſich ſeine Wohnung antik möbli⸗ ren. Die Möbeln datiren ſich aus dem Zeit alter Franz I. her. Statt der Thüren ſind drapirte Vorhänge auf gothiſche Manier. Die Draperien und die Fenſter- und Bettvorhänge ſind von prächtigem Sammet mit Gold ge⸗ ſtikt; die ganz gothiſchen Blumen darauf ſind

nicht erhaben, ſondern im Gegenteil einge- graben.

Angenehme Karnevals⸗Nach⸗ richt.

Peſth. Den Peſthern ſteht in dem heurigen Karneval ein außeror dentlicher Genuß bevor. Der hier noch im beſten Angedenken ſtehende rühm⸗ lichſt bekannte Kompoſiteur und Ka⸗ pellmeiſter, Hr. Joſ. Lanner aus Wien, verläßt in nächſter Woche dieſe Kaiſerſtadt, wo ſeine Gegenwart doch jezt ſo dringend nothwendig iſt, und begibt ſich mit ſeinem ganzen Orcheſter zu den ihm ſo unvergeßlichen Peſthern, um daſelbſt ſeine allerliebſten, ſo me lodiöſen Walzer bei zwei Bällen im Redoutenſaale vorzutragen. Schon künftige Woche, ſchon nächſten Sonn⸗ tag, den 25. Jan,, wird der erſte Ball unter Lanners Direktion ſtattfinden; der zweite und unwiderruflich lezte, geht künftigen Donnerſtag vor ſich. Die künftige wird alſo die wahregroße Woche des Faſchings ſein. Welchem Tänzer, welcher Tän⸗ zerin, welchem Freund heiterer und origineller Tanzmuſik klopft nicht das Herz vor Freude! Und wer dankt es nicht Hrn. Fiſcher, Pächter des Redoutenſaales, der mit Aufopferung ſo vieler Koſten, unabläſſig für das Ver⸗ gnügen des Publikums bemüht iſt!

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Modenb ill d. Nr. 4 Pariſer Ballanzüge vom 3. Jan. Haarkoeffüren mit Blumen, gezlert. Kleid von ſchwarzen Spizen. Die andere Da⸗ me hat ein Kleid von Tolle- illusion mit Blumen garnirt. Hr. Anton Rosma⸗ nith, Damenkleidermacher in peſth(Ro- ſenplaz Nro 63), deſſen geſchmakvolle Arbei- ten allgemein bekannt ſind, iſt mit den neue⸗ ſten Ball⸗ Anzügen für den gegenwärtigen Karneval beſchäftigt, die ſich alle durch Ori⸗ ginalität, Grazie und paſſenden Schnitt vor⸗

theilhaft auszeichnen.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.