Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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Tänzer aus Spanien; die machen be⸗ ſtimmt gute Geſchäfte, denn die Augs⸗ burger lieben Alles was ſpa⸗ ni ſch iſt. B. Berlin. Eine herrſchaftliche Amme, welche ſich bei Erfüllung ihrer Pflicht gerne mit den Werken der ſchö nen Literatur bekannt machte, las em⸗ ſig den Rinaldo Rinaldini, als der ihr anvertraute Sprößling mehrmals ſeinen Appetit laut kund gab. Als das Geſchrei des hungrigen Kindes endlich zu arg wurde, warf ſie wü⸗ thend das Buch weg und rief:Aber gnäd'ges Herrchen, kannſt du nicht warten, bis Rinaldo todt iſt? T. London. Der engliſche Globe erzählt, vor Kurzem hätten zwei Her ren in London gewettet, ſie wollten von der London⸗Brüke aus in die näch⸗ ſten 12 Kirchen gehen, und ſie würden in keiner derſelben 100 Perſonen ver⸗ ſammelt finden. In der erſten Kirche trafen ſie 20 Leute, in der zweiten 6, in der dritten einen Thürſchließer und einen alten Mann, und ſo fort: in allen 12 Kirchen zuſammengenom⸗ men aber keine 100 Perſonen! M. Paris. Die maskirten Bälle

im Pariſer Opernhauſe werden in die ſem Winter alles bisher Geſehene an Pracht übertreffen. Den Ankündigun gen zufolge, hat man ſich auf wahre Zauberfeſte gefaßt zu machen. Die mit dieſen Bällen verbundene Lotterie wird ſich weit über die gewöhnlichen Aus⸗ ſpielungen dieſer Art erheben. Es ſind mehr als 50,000 Franks zum Ankauf von Gegenſtänden verwendet worden, die 14 große Gewinne bilden ſollen. Die ö erſten Gewinne werden aus fol⸗ genden Gegenſtänden beſtehen: 1) einem paar koſtbaren Armbändern; 2) einem beſonders beſtellten, prachtvoll verzier⸗ ten Fortepiano von Pleyel; 3) dem ſchönſten ächten Shawl, den man in Paris hat auffinden können; Y einem

vollſtändigen ſilbernen Theeſervice, und 5) einem Abonnement auf eine Loge erſten Ranges in der großen Oper, für das ganze Jahr. V.

Der Modenkurier.

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(Paris, 5. Jan. 1835.)

Nichts Neues unterm Sonnenlicht;

Doch neu heißt, was die Mode ſpricht!,

1. Unter der großen Zahl der artigen Kopfpuze, die in der italieniſchen Oper zu ſehen war, zeichnete ſich eine kleine Toque u la Camargo von ſchwarzem Sammet und mit einer ſehr originell poſtirten großen roſenro⸗ then Feder aus. Der ziemlich kleine Schirm war mit einer unbeſchreiblichen Grazie auf⸗ gerichtet.

2. Die Mehrzahl der Hüte war da ſelbſt von ſehr kleiner Form, aufgerichtet und von Krepp. Die ſehr langen und breiten Bindbänder fallen bis auf den Gürtel hinab; auch werden ſie durch die Enden der am Fuße der Federn angebrachten Schleifen erſezt, die bis auf die Bruſt hinabfallen. Dieſe Hüte waren mit verſchiedenartig geſezten Federn oder Marabouts geziert.

3. Die Bonnets werden täglich leich⸗ ter; auch werden ſie häufig von ſehr jungen Frauen getragen. Die Blonde iſt ſehr niedrig und ſehr leicht, und die Blumen werden ſeht tief auf die Wangen geſezt.

4. Ein Ball verdrängt ſchon den an⸗ dern; ſie bringen aber wenig Neuigkeiten. Man tragt daſelbſt viele Blumen und zum Schmuk Diamenten. Das Weiße iſt von gu⸗ tem Geſchmake. Bei einem der kleinen Hof bälle, in der lezten Woche, bemerkte man, daß alle Anzüge, mit Ausnahme der Blumen, ganz weiß waren.

5. Faſt alle Ballkleider ſind von Gaze mit Garnirungen ſowohl von Atlas als auch von natürlichen Blumen, die verſchie⸗ denartig angebracht ſind.

6. Für Aermel und Leib iſt in dieſem Augenblik nichts Neues, ausgenommen der Garnirungen, an die man viele neue Verön⸗ derungen anzubringen bemüht iſt.

7. Man ſieht ſehr ſchöne Gazen zu Balltleidern verwenden, welche auch dem jezt herrſchenden gothiſchen Geſchmatke entſprechen. Es ſind ſehr leichte Gazen, auf welchen go⸗