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Harun Al Raſchid und ſein Vezir.
Den großen Harun Alraſchid(Gott erhalte ſein Gedächtniß zum See⸗ gen der Urenkel!) fragte einſt ſein Vezir Muſſaffer: Warum er doch wohl Akademien und Schulen ſtifte, überhaupt die Wiſſenſchaften ermunterte? Glaubſt Du“, Herr, daß man Dir beſſer gehorchen werde, je mehr man aufge⸗ klärt iſt?—„Ja, antwortete der Kalife, denn mein Volk wird den Sinn und die wohlthaͤtige Abſicht meiner Geſeze beſſer faſſen.“—„Wird man die Abgaben bereitwilliger bezahlen?“—„Ja, denn man wird ihre Nothwen⸗ digkeit und nüzliche Verwendung begreifen.“—„Werden Deine Soldaten eifriger fechten?“—„Ja, denn ſie werden wiſfen, wofür ſie es thun, und einſichtsvollere Anführer haben.“—„Aber Deine Gelehrten, Deine Weiſen, werden Irrthümer verbreiten.“—„Ja, aber dieſe Irrthümer werden durch andere Weiſen beſtritten werden, und man wird neue Wahrheiten entdeken.““ —»Aber, gnädigſter Herr, wenn einſt Dein! Nachfolger nach andern Grund⸗ ſäzen—“„Unwürdiger, rief der Kalif, willſt Du mich ſo erniedrigen, daß ich lieber darnach ſtreben ſoll, der Bösartigkeit Opfer der Thorheit Spiel— raum, oder der Trägheit ein Lotterbett zu bereiten, als meine Völker glük⸗ lich zu machen?“—
Weltteheate e.
In ELiſſabon führen ſie auf:„Die Heirath aus Neigung“; in Paris: „Heute mir, morgen dir“; in London:„Wirrwarr in allen Eken“; in Rom: „der Vetter aus Liſſabon“; in Alexandrien:»der bezähmte Widerſpeaſtige“; in Konſtantinopel:„das unterbrochene Opferfeſt“; in Madrid:„die Schach⸗ maſchine“ und„der Wechsler“; und in Paris auch die Oper:„die beiden Füchſe.“
Leitung der Novitäten und Anfichten.
lich vom Könige beſchenkt(den ſie mit „du“ anredete) nach ihrem Geburtsort und verurſachte, wo ſie ankam, einen
Miszellen.
Stokhol m. Im vorigen Som⸗ mer machte ein Mädchen in Schwe⸗ den ungemeines Aufſehen wegen ihrer Schönheit. Um ihres Unterhaltes wil— len ſchlug ſie in Stockholm Mörtel nach dortiger Sitte. Sie hieß die ſchöne Dakulla, wurde in Kupfer ge⸗ ſtochen und zu jedem Gaſtmahle gela⸗ den. Sie erntete koſtbare Geſchenke und ſammelte ſich eine hübſche Summe. Aber ſie vergaß weder das Mörtelſchla— gen, noch wurde ſie ihrer heimathli— chen Unſchuld ungetreu. Sie ging end⸗
ungemeinen Auflauf des Volkes. Jezt iſt ſie eine glükliche Hausmutter in ihrer Heimath. A. Paris. Von dem gegenwärtigen Intendanten des königl. Hofes in Pa⸗ ris, Grafen v. Montalivet, erzählt. man, daß er, um die Hofbedienten zu verhindern, die Ueberreſte der königl. Tafeln beim Abtragen in die Taſche zu ſchieben, bei den neuen Livreen die Taſchen gänzlich unterdrükt habe. M. München. Das Münchner Tag⸗ blatt ſagt: In Augsburg ſind jezt


