Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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ziehend als dieſe oftgehörte Oper war eine Novität von Franz v. Holbein; Febronia, das muthige Fiſchermäd⸗ chen, oder der Sturm auf die Zwing burg. Im ganzen Stük wird nur von Muth geſprochen, ſo daß ſich endlich die Sanftmuth und die Lang⸗ muh des Publikums in Unmuth verwandelte. Erlaſſe mir, lieber Le⸗ ſer, mehr darüber zu ſchreiben, da ich ja ſchon genug gelitten, als ich es geſehen! Das Hofopern⸗ theater gewährt wenig Abwechslung im Repertoir. Das Neueſte iſt eine komiſche Oper vom Kapellmeiſter Reu ling:Die Quäker familie die theils wegen der netten Muſik, theils wegen der Darſtellung der HH. Cramolini und Demmer und der Delle. Vondra gefiel. Hr. Breiting, als Zampa, leiſtete Genügendes, überhaupt mode rirt dieſer Sänger ſeine Ueberfülle von Kraft nun auf eine wohlthätige Weiſe. Das alte Divertiſſement:Der Faſching in Venedig, iſt neu in die Szene geſezt worden und findet noch immer Beifall. Die Matadoren der dramatiſchen Kunſt, die k. k. Hofſchau⸗ ſpieler meſſen ihre Kräfte nun ſchon lange Zeit mit würdigen Gegenſtänden. GrillparzersTraum ein Leben, Raupach's neueſtes Schauſpiel:Co- rona von Saluzzo, Goethe'sGötz von Berlichingen und Calderon's Don Gutiere ſchreiten abwechſelnd durch dieſen Kunſttempel. Da kaun ſich doch ein armer Rezenſent erholen und erlaben von den Strapazen ſeines Mar⸗ terlebens. ö

Donnerſtag, um 8. Januar, ward im Saale zum Sperl, der erſte For tung- Ball abgehalten. Eine kleine, aber gewählte Geſellſchaft fand ſich da bei ein und Strauß übte ſeine oft er⸗ probte Gewalt mit ſeiner Zaabergeige auf die Auweſenden.

Einſt hieß es: Die Ku nſt geht nach Brod! In unſerer neu en Zeit paßt kein altes Sprichwort mehr, folglich auch dieſes nicht. Denn am 9. Jan. produzirte im Konzertſaale des Muſikvereins ein Niederländer, Namens Sayne, Quintetten von ſei⸗ ner Kompoſition unentgeltlich. Incredibile auditu!

Adiaphoros.

Miszellen.

Kronſtadt(in Siebenbürgen). Der bekannte Reiſende Pr. Martin Honigberger, von deſſen merkwür⸗ digen Reiſen in öffentlichen Blättern die Rede war, iſt von ſeiner lezten Reiſe, von Lahore durch Mittelaſien, Bukhara, Orenburg nach St. Peters burg, wieder hier, in ſeiner Va⸗ terſtadt, angekommen. Möge dieſer vaterländiſche Gelehrte bald ſeine in⸗ tereſſanten Reiſebemerkungen durch den Druk bekannt machen. R.

Bordeaux. Daß es noch Leute gibt, die ſchwach genug ſind, zu glau⸗ ben, wenn auch nicht der Stein der Weiſen, ſo könne doch die Kunſt, Gold zu machen, erfunden werden, beweiſt ein kürzlicher Vorfall, der ſich hier zutrug, und dermalen den Hauptgegenſtand der hieſigen Unterhaltung bildet. Ein in der Normandie geborner Diamant händler, der kürzlich aus Braſilien zurükgekehrt, ward verleitet, zu glau⸗ ben, daß ein gewiſſer, in Bordeaux ſich aufhaltender Fremder, das Ge⸗ heimniß beſize, das Waſſer der Garon ne in trefflichen Liqueur, und das auf den Wieſen an den Ufern dieſes Fluſ⸗ ſes erzeugte Heu in pures Gold zu verwandeln. Der Diamanthändler ſuchte den Alchymiſten auf und ward bei ihm eingeführt, die Verwandlung des Waſ ſers in Liquer als einen für ihn zu