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daß ich die alten Gerichte, dir ſie heu— te anböten auf keinen Fall benagen würde, daß ich überhaupt ein good hearted fellow ſei, mit dem nicht übel d'raus zu kommen wäre. In meiner Rede ſtörte mich ein tiefer— tiefer Seufzer, der einem Theaterzettel ent— ſchlüpfte, und als ich genauer ſah, be— merkte ich, daß es jenes des Leopold⸗ ſtädtertheaters geweſen ſei. Da war nun ein Hr. Thym als Gaſt gemel— det in Engels„Edelknaben“ und das war wahrſcheinlich die Urſache jenes Seufzers, der mich eben nicht zu gro— ßen Erwartungen berechtigte.— Es war Abend geworden und ich ging mit den beſcheidenſten Erwartungen in's Theater; aber ſo klein und an⸗ ſpruchslos dieſe auch waren, ſo ward ich dennoch von der Darſtellnng auf's äußerſte überraſcht. Here Thym gab den Fürſten. Wäre er der ſchlech— te ſte Schauſpieler ſeiner Zeit, ſo wäre er doch ein Schauſpieler, aber ſo— iſt er gar nichts! Es thut mir um ſo mehr weh, ein ſo hartes Urtheil ausſprechen zu müſſen, als Hr. Thym übrigens gerade das Gegen— theil von dem ſein ſoll, als was er ſich heute zeigte, namlich, ein vor— trefflicher Menſch. Das Publi⸗ kum ehrte die Gaſtfreundſchaft und ließ den Guten ſeine Rolle nicht enden, um nicht gezwungen zu ſein, ihm härter mitzuſpielen als er dem Publikum mit geſpielt— nein! nicht mitgeſpielt hatte. Toni Erhart als Edelknabe war aller— liebſt. Die darauf folgende Pantomi⸗ me des Hrn. Fenzel entſchädigte für das Ungenießbare des Vorſpiels und die wunderliebliche Muſik des Orche— ſterdirektors Leppeu trug nicht wenig dazu bei, die Anweſenden mit ihrem herben Geſchik wieder zu verſöhnen. Siehſt du nun, theurer Leſer, was ein korreſpondirender Rezenſent
oder ein rezenſirender Korreſpondent für ein armer Teufel iſt. O wie be— neidete ich alle andern Zuhörer! Ih⸗ nen ſtand es frei, fort zu gehen, nicht acht zu geben, zu plaudern oder ihren Eintritts-Gulden im Stillen zu re— grettiren, nur ich war gezwungen, da— zubleiben, acht zu geben, nicht zu plaudern, und konnte nicht einmal mein Eintrittsgeld bedauern, weil Ne— zenſenten und gewiſſe andere Perſonen keines zahlen!
Verzeih mir dieſes Mal, billiger Leſer, die Gedehntheit dieſes Artikels, aber ich wollte dadurch nur die Langweiligkeit ande u⸗ ten, die ich gefühlt, als ich das Be— ſprochene gehört, und ich hoſſe es iſt mir gelungen, langweilig zu ſein!
Im Theater an d. Wien machen die akrobatiſchen Vorſtellungen der Familie Knie Aufſehen. Der Dich— ter Schickh, dem ſeine 2 lezten Pro— dukte auf der Leopoldſtädter Bühne durchfielen, verſucht nun auf dieſem Theater ſein Glük, und ſchon iſt ein neues Kindlein ſeiner Muſe unter dem Namen:„Die Entführung vom Mas- kenball“, über dieſe Bretter gegan— gen, ohne jedoch beſondere Theilnahme zu erregen. Die Direktion dieſes Thea⸗ ters verſucht jezt, alte Speiſen unter neuem Titel dem Publikum genießbar zu machen, allein dieſes hat ſich ſchon den Appetit verdorben und will nicht mehr recht an beißen. Gleich's: „Adler, Fiſch und Bär“ geht unter der Firma:„Der Zauberwald oder die. Brautwerber aus dem Thierreiche“, ſei— nem Vanqueroute entgegen.— Im Theater in der Joſephſtadt macht ein Hr. Mellinger, als Jäger in Kreutzer's„Nachtlager in Grana—⸗ da“, außerordentlich Glük. Er darf in dieſer Parthie kühn mit ſeinem Vor⸗ gänger Pöck rivalifiren. Weniger an⸗


