Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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von Canterbury, dem erſten Richter in der Kings Bench, mit dem Lordkanz⸗ ler von England bei ihm einzufinden; er richtete immer ſeine Einladung ſo ein, daß er ſich eines einfluß reichen Namens bediente, um einen noch einfluß⸗ reichern an ſich zu ziehen, und ſo hatte er die Ehre, die merkwürdigſten Män⸗ ner ſeiner Zeit an ſeinem Tiſche verſammelt zu ſehen. Sir Charles hat ein Vermögen von 550,000 Pf. Sterl. hinterlaſſen. Davon hat er ſeinem älteſten Sohne 400,000 Pf., der Madame Perceval, ſeiner älteſten verheiratheten Tochter 51,000 Pf., der Madame Goderin, ſeiner zweiten verheiratheten Tochter 20,000 Pf., zweien ſeiner nicht verheiratheten Töchter 30,000 Pf. einer jeden, und der dritten nicht! verheiratheten jährlich 4000 Pf. St ver⸗ macht. Die Millionaire dieſer Art ſind bei uns, beſonders unter den rein gewerbtreibenden Klaſſen ſelten. Indeſſen zitirt man in Paris unter faſt allen Profeſſtonen Leute, die es zu großem Vermögen gebracht haben. Ein vor zwan⸗ zig Jahren aus Deutſchland ohne einen Pfennig in Paris eingewanderter Ku tſchenmacher, beſizt das ſchönſte Hotel auf dem Vörſenplaze, das 75,000 Frances rentirt und erſt den dritten Theil ſeines Vermögens ausmacht. In einer der lezten Wochen hat Herr Ch...., einem Lampenmacher ſeine Tochter verheira⸗ thet und ihr 500,000 Fr. mitgegeben, und dieſe Tochter hat noch Geſchwiſter. An demſelben Tage that ein Arzt, der vor acht Jahren in einem beſondern Zweige der Medizin zu praktiziren anfing, wozu viele Anſchläge und Ankün digungen nöthig waren, in ſeinem Heirathskontrakte ein Vermögen von einer und einer halben Million dar.

Leitung der Novitäten und Anfichten.

des Tages, die Produktionen der Thea⸗ Theater.

ter, die Erſcheinungen in der literari ſchen und muſikaliſchen Welt u. ſ. w. getreulich abzuſpiegel n. Mit dem Gefühle der Wichtigkeit, das ich Kraft dieſes meines Amtes in mir verſpürte, verließ ich das Haus, um mit Rezen⸗ ſentenblik die ſämmtlichen Affichen zu muſtern, die in Wien in ſo ungeheu rer Menge und in ſo ungeheurem For⸗ mate zu finden ſind, daß manches Haus dawit ganz überzogen iſt. Obwohl ich durchgehends nur alte Vekannte unter den Theaterzetteln fand, ſo ſchien es mir doch, als ſchauten ſie mich alle mit einer gewiſſen Aengſtlichkeit, mit einer Scheu und einer Achtung an, die ich mit dem jus gladii, welches meine je⸗ zige Würde mir verlieh, ſehr leicht zuſammenreimte. Herablaſſend ſprach ich ihnen Muth ein und verſicherte ſie,

Wien, 11. Januar.(Von einem neuen Korreſpondenten). Ein Römer würde das Referat aufgegeben haben, wenn er ſich in meiner Lage befunden hätte, denn für ein böſes Omen muß ich es halten, was ich am 2. Januar des Jahres 1855 im Theater in der Leopoldſtadt erlebte. Ich muß meinen erſten Korreſpondenzartikel über die Gebühr ausſpinnen, um die geneigten Leſer gleich im Anfange auf die dornenvolle Bahn eines Rezenſen⸗ ten, und die unausſprechlichen Opfer, die er dem geehrten Publikum zu brin⸗ gen gezwungen iſt, au fmerkſam zu ma⸗ chen. Ich beginne. Am 2. Jan. 1855 fing mein Amt an, das mir die Ver⸗ bindlichkeit auferlegte, die Ereigniſſe