Sonnabend, 17. Januar.
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Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
Halbjähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kuuſthand⸗ Kupferabdrüken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. 2 lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
ef en. (Eine wahre Begebenheit“).
Der lezte Marquis von An“ wohnte während eines Theiled des Som- mers auf einem ſeiner Landgüter in der Umgegend von Palermo. Seine ein⸗ zige Tochter, Laura, verliebte ſich im Jahre 1808 in einen jungen Offizier, den ſie zufällig hatte kennen lernen; da ſie jedoch nicht hoffen durfte, die Ein— willigung ihres Vaters zu dieſer Verbindung zu erhalten, ſo bemühte ſie ſich ihre Leidenſchaft zu unterdrüken; kaum hörte ſie aber, daß ihr Geliebter im Begriffe ſtehe Palermo mit ſeinem Regimente zu verlaſſen, ſo konnte ſie ſei⸗ nen Bitten nicht widerſtehen und bewilligte ihm eine lezte Zuſammenkunft unter ihren Fenſtern. Zur beſtimmten Stunde ſtand Laura auf dem Balkon, und lauſchte in die finſtere Nacht hinaus der Ankunft des Geliebten entgegen, als ſie plözlich, unfern vom Schloſſe, auf einem Wege, der ins nächſte Dorf führte, eine Geſtalt ſich bewegen ſah. Sie glaubte anfänglich, es ſei der ſehnlich Erwartete, kam aber bald von ihrem Irrthume zurük, denn bei ge— nauerem Hinſehen erblikte ſie eine rieſenmäßige, ganz weiß gekleidete, lang— ſam und feierlich einherſchreitende Geſtalt, die durchaus nicht dieſer Welt an— zugehöcen ſchien. Heftig erſchroken, warf Laura das Fenſter zu und wagte ſich nicht mehr auf den Balkon. Am andern Morgen brachte ihr eine im Dorfe wohnende alte Frau ein Billet von dem Geliebten, in dem er über ihre Grau— ſamkeit klagte, und ſie beſchwur, das heutige Stelldichein doch ja nicht zu ver— ſäumen, und da Laura ihre Schreken bereits vergeſſen hatte, ſo nahm ſie ſich vor, am Abende nicht ſo furchtſam zu ſein.
) Vorgefallen in Sizilien im Jahre 1808.


