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ſprechet, ſie ſprechen.— Was ſoll das heißen, nahm der Engländer von Neuem das Wort; wollen Sie mich beleidigen?— Ich beleidige, du beleidigeſt, er beleidiget, wir beleidigen, ihr beleidiget, ſie beleidigen.— Das iſt zu viel, rief der Engländer; Sie werden mir Genugthuung geben; wenn Sie Muth haben, ſo folgen Sie mir!— Ich folge, du folgeſt, er folget, wir folgen, ihr folget, ſie folgen. Und hierauf erhob er ſich mit großer Kaltblütigkeit und folgte ſeinem Herausforderer. Nachdem ſich jeder mit einem Degen verſe— hen hatte, gingen ſie nach dem Kampfplaz, der Engländer zog den Degen und ſagte:— Nun, mein Herr, müſſen Sie fechten— Ich fechte, du fechteſt, er ſechtet, wir fechten, ihr fechtet, ſie fechten. Hier machte das Original eine Finte und entwaffnete ſeinen Gegner.— Gut, ſagte' der Engländer, das Glük war Ihnen günſtig, und ich hoffe, Sie werden zufrieden ſein.— Ich bin zufrieden, du biſt zufrieden, er iſt zufrieden, wir ſind zufrieden, ihr ſeid zufrieden, ſie ſind zufrieden.— Es iſt mir lieb, daß jedermann zufrieden iſt, ſagte der Engländer, aber ich bitte Sie, geben Sie dieſen poſſenartigen Ton auf, und ſagen Sie uns, was bezweken Sie, indem Sie ſo handeln?— Der ernſthafte Mann ließ ſich endlich zu einer Erklärung bewegen.— Ich bin ein Holländer, ſagte er, und lerne Ihre Sprache. Ich finde, daß es ſehr ſchwer iſt, ſich an die Modifikationen der Zeitwörter zu erinnern und mein Lehrer rieth mir, jedes engliſche Zeitwort, das ich ausſprechen höre, zu konjungiren, um es mir ſo einzuprägen. Ich habe mir dieſen Rath zur Regel gemacht. Ich habe es nicht gern, mich in meinen Uebungen unterbrochen zu ſehen, nach welchen ich mich darüber erklärt haben würde. Nach dieſer Auseinanderſezung mußten die Engländer herzlich lachen; ſie luden den konjugirenden Holländer zum Eſſen ein.— Ich werde eſſen, du wirſt eſſen, er wird eſſen, wir werden eſſen, ihr werdet eſſen, ſie werden eſſen.— Ja, wir werden alle zuſammen eſſen. Geſagt, gethan. Man erzählt nicht, ob der Holländer mit derſelben Ausdauer aß oder konjugirte.
Das unartigſte Geſchöpf von der Welt.
Eine Frau hatte einen ſehr gelaſſenen Mann, den ſie faſt immer auf die unhöflichſte Weiſe behandelte. Einſt beleidigte ſie ihn wieder mit ſehr gro— ben Worten; da verlor er denn auch einmal die Geduld. Unwillig wandte er ſich von ihr und ſagte:„Du biſt doch das unartigſte Geſchöpf von der Welt!“ Dies verdroß die Frau auf das Aeußerſte:„Was?“ rief ſie aus,„Heine ſolche Schimpfrede kannſt du mir ſagen?“— Der Mann wunderte ſich über dieſe Empfindlichkeit.„Sieh nur, ſagte er, wie du mir dieſe Paar Worte ſchon ſo übel nimmſt, und idu haſt mir erſt zwanzig weit derbere hingeworfen.„Ei, verſezte die Frau,„das iſt etwas ganz anderes,„du biſt meine Grobheiten ſchon gewohnt, aber ich die deinigen nicht.“
4 7 9 55 Ein Abentener Don Pedros.
Ein engliſches Journal erzählt, als ſich Don Pebro, als Kaiſer von Duſtin, einſt in der Oper in Rio⸗Janeiro befunden, ſei eine Dame in tief⸗


