Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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Orcheſter; das ſoll in früheren Zeiten in Tripstrill nicht der Fall geweſen ſein: damals ſpielte aber der Oekonom keine ſo wichtige Rolle. Ein Violinſpieler und ein Tenoriſt ſind die beiden Kapellmeiſter und haben ein ander nichts vor- und nichts nachzugeben. Sie leben im beſten Einvernehmen; der Vio liniſt ſtreicht u. der Sänger verſchlukt, was er nicht kapirt. Souffleurs zählte man zwei, und zwar einen von der Oper und einen vom Schauſpiel. Aus dem k ſind ſie nicht, denn ſie ſchreiben ſich nur mit einem f (Soufleur). Das Perſonal der änger und Schauſpieler iſt in einem Verzeichniß zu⸗ ſammengewürfelt, damit die dünn beſäete Liſte doch ein Anſehen erhält. Auch der Dich ter hat ſich dazu gereiht, wir wiſſen nicht, ob als Schauſpieler oder als Sänger; jeden- falls würden wir ihm aber rathen, von den Mitteln gegen das Stammeln Gebrauch zu machen. Chorſängerinen gibt es um eine mehr als Chorſänger, obwohl unter den lez tern mehrere Direktoren und Inſpizienten mitgerechnet ſind. Bei den Kinderrollen hat man es bis auf zwei gebracht. Das Kaſſaperſonale iſt drei Mann hoch; es ſoll ſich ſehr wohl auf das Haben, weniger auf das Soll verſtehen. Ein Obergarderober und zweiFrauengarderoberinen müſſen ein ſehr beſchwerliches Amt haben; da man weiß, daß in dieſem Theater gar nichts mehr Stich hält. Ein Maler, ein Maſchiniſt, ein Tiſchler, zwei Farbenreiber, ein Schnürmeiſter u. ſ. w. erhalten von dem Direktor das Gnadenbrod, denn ſie geben im Jahre faſt nur einmal ein Zeichen des Lebens von ſich. Der Oberbe leuchter muß ſich ſehr ſtark auf den Unterbe leuchter verlaſſen, oder ſich zu ſehr mit dem oben erwähnten Oekonomen verbunden ha ben; er führt dem Publikum wenig Licht vor. Abgegangen ſind ſeit Oſtern 16, neu en gagirt wurden 13 Individuen, Deſizit: 3. Vom Tanzperſonale ſind zwei abgegangen, was zurükblieb wird nicht geſagt. Dem Perſonal⸗Verzeichniſſe folgt dasJournal der vom 1. Dez. 1833 bis 30. Nov. 1834 auf- geführten Schauſpiele und Opern Es fängt mitNagerl und Handſchuh an und ſchließt mit denZauberrüthchen oder die Liebhaber als Bettelmuſikanten!

So weit der proſaiſche Theil, Nun kommts auf die Verſe. Es ſind poetiſche

Ergüſſe des Theaterdichters und Schauſpielers dieſer Bühne, auch Verfaſſer des weltberühm⸗ ten Stütes:die Loke des Enthaupteten. Dieſer vortreffliche ſchöne Geiſt, beſizt vlele Selbſtverläugnung. So ſingt dieſe ehrliche Seele(Seite 50):

im nächſten Augenblike

Ruft mein Kopf, du biſt ein Thor! Kopf und Herz ſind ſtets im Streit, Beide ſind wohl nicht geſcheidt! Wir Dichter ſind viel zu dumm

Wir Dichter leüns ſollte es heißen. Dann ruft er(Seite 51) ganz begeiſtert aus:

So bin ich mit Haut und Haar. Sammt der Poeſie ein Narr!

Ei mein Lieber, laſſen ſie doch die Poeſie aus dem Spiele, ſie würde ſich bedanken, in ſolche Geſellſchaft gerathen zu ſein. Bleiben ſie in Gottes Namen allein der Narr. Nur eines dieſer zarten Gedichtchen, das ſehr ſanft zwiſchen zwei Liebes-Carmens placirt iſt, iſt von dem kleinen Unbekannten, der das oben erwähnte Motto zur Welt brachte. Es hat die Aufſchrift:An einen Re⸗ zenſenten, und es waltet darin ſolch' ein zäher Thon, daß ſich die Töpferar⸗ beit gar nicht verläugnen läßt. O kleiner Unbekannte, wie groß biſt du! und du, ar- mer Rezenſent, wer du auch immer ſein magſt, mit dir iſt es aus, maustodt biſt du: der unbekannte Wiz hat dich gemordet. Ver nimm ſeine eigenen ſchönen Worte:

Die Welt verliert nicht einen Quent, An dir, mein wakrer Rezenſent!

Iſt das nicht ein Wiz zum Hinwerden, das bringt einen Wallſiſch um, um wie viel mehr einen Rezenſenten.

Und der Kleine fordert den Rezenſenten zum Strauße aufGänſewaffen heraus; ei⸗ nen Federkrieg will er beginnen, der kleine Unbekannte.

O Dichterlein, o Dichterlein!

Dein Hochmuth will gar weit hinaus;

Willſt fordern du zum Kampf heraus,

Mußt du nicht ebenbürtig ſein?

O Dichterlein, o Dichterlein!

Wie dauert mich dein ſchwaches Hirn;

Du könnteſt ja noch mehr verlier'n,

O laſſe d'rum das Fechten ſein! Jack.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſe n.