Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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amerika, die Volkspartei einen voll⸗ ſtändigen Sieg errungen. Die Gegen partei geſteht, nach den lezten Wah⸗ len, ſelbſt: wir ſind vollſtaͤndig beſiegt, aber wir wollen beharren. S.

Minde n. Vor einigen Nächten hat ſich ein ſonderbaces Exeigniß hier zugetragen, indem 4 bis 5 von unſern Feſtungsbaugefangenen ſich durch die Paſ ſage des Schornſteins auf den Wall einen Weg in die Nachbarſchaft zu verſchaſſen wußten, und aus der, eine Viertelſtunde vor dem Thore gelegenen Wohnung des Akermanns Kelle eine fette Kuh aus dem Stall raubten. Dieſe leztere ward in dem Wallgraben beim Mondſcheine geſchlachtet und zerlegt, die Haut zer⸗ ſchnitten und das Fleiſch gut verpakt, von den Gefangenen mitgenommen, die auf dem vorigen Wege in ihre Vau⸗ zelle zurükkehrten und ſich das Fleiſch an dem folgenden Tage wohl ſchmeken ließen. Bei einer ähnlichen nächtlichen Promenade wurden ſie aber von der Wache ertappt und in ein anderes Ge fängniß gebracht, wo ihrer nun die weitere Strafe wartet. T.

Tripstriller Lokalzeitung.

Almanachs Literatur. Das Tripstrill, von dem es ſich hier handelt, hat ein Publitum, das nichts weniger, als zu der Familie der Abderiten gerechnet zu wer den verdient; vielmehr hat es Kunſtſinn und Unterſcheidungsvermögen genug, um den Ge genſtand, den wir hier berühren wollen, ſo ganz Tripstrilliſch zu finden, daß es uns ger ne verzeihen wird, wenn wir den Ort der Handlung in dieſe berühmte Stadt, lächer⸗ lichen Andenkens, verſezen.

Da nun dieſes Tripstrill zwar, wie bekannt, viele Freunde der Kunſt in ſich faßt; aber vielleicht wenige ſolche, die auf den eben erſchienenenAlmanach des The a⸗ ters in Tripstrillreflektiren dürften, wenn gleich die Herausgeber, wohlbeſtellte Souffleurs dieſes Theaters, ihn allen Freunden der Kunſt widmeten wahrſcheinlich darum, damit die Freunde der Kunſt auch einmal eine Abwechslung erhal⸗ ten ſo glauben wir nicht unwillkommen zu ſein, wenn wir ſothanes Büchlein, durch ei⸗ ne nähere Beleuchtung ans Tageslicht för⸗ dern; ja wir ſind uns dabei ciner wohlthä⸗

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tigen Handlung bewußt, ſintemel man weiß, daß die Bewohner des Souffleur-Schlupfwin⸗ kels nicht ſehr im ueberfluſſe zu ſchwimmen pflegen.

Der Trlipstriller Theater-⸗Almanach be⸗ ginnt mit einem Motto von einem kleine n unbekannten, worin in ruſſiſchen Hexa⸗ metern und Pentametern, voll Knuten und Knütteln, diegeiſtes- und leibe sbeſor⸗ gende Behauptung aufgeſtellt wird, daß die Kunſtkritit eine kriechende und n a- gende Raupe wäre. Wahrhaftig dir arme Raupe müßte an dieſem Werke verhun gern, wenn es ihr einſiele, ſich ernſtlich dar über zu machen. Dieſer ſchönen Frucht folgt ein Monatskalender, wahrſcheinlich auf 1835, angezeigt iſt es vielleicht darum nicht, auf das die Nachwelt nicht er fahre, wann dieſes Geiſteskind das Licht der Welt erblikte; die Chronologiſten würden das Jahr 1835 zu aufgeklärt dazu halten. Hierauf kommt das Perſonal⸗Verzeichniß, drei und ein halbes Se⸗ dezblättchen, ſchön weitſchichtig gedrukt, ein⸗ nehmend; aber auch ſehr inhaltſchwer. Oben an ſteht, wie gebührend, der Direkteur, dann folgen unmittelbar vier Theaterärzte und ein Theater⸗Chirurg. Dieſe ueberzahl von Aes⸗ kulapen werden doch wohl keine Hindeutung auf den ſchadhaften und gebrechlichen Zuſtand dieſer Bühne ſein. Die Oper und das Schauſpiel hat nur einen Regiſſeue, der alle Böke in beiden Abtheilungen über ſich nehmen muß! Hingegen gibt es einen Theaterdiener vom Schauſpiel und einen von der Oper, ein Beweis, daß beide gut bedient ſind. Auch ein Theaterdi ch ter ſigurirt in der Liſte, der wahrſchein lich die Literatur der Theaterzettel beſorgt, auf denen erſt neulich ein Divertiſſement in ein Avertiſſement verwandelt wurde; der jun⸗ ge Menſch muß eine rege Phantaſie haben. Doch da präſentirt ſich uns, dicht unter dem Dichter, eine ſehr wichtige Perſon: der O e tonom und Sekretär! Er ſpielte unſtrei tig am allerbeſten ſeine Rolle; ſein Schalten und Walten gibt ſich bei jeder Gelegenheit kund; er iſt nicht mit Gold zu bezahlen! Einen Balletmeiſter ſoll es auch zu Tripstrill geben, wäre es nicht gedrukt, ſo würden wir es nicht glauben; was aber einBallet⸗ Correpeditor für ein animal iſt, möge Terpſychore wiſſen! Die Oper hat nur ei⸗ nen Orcheſterdirektor, das Schauſpiel deren zwei; Oper und Schauſpiel aber nur ein