Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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um zu ſeiner Wohnung zu gelangen, als er plözlich die 5 Räuber zurükkom⸗ men ſieht. Die Nichtswürdigen hatten ſich anders beſonnen, und die Furcht, daß der Pfarrer ſie etwa erkennen und anzeigen möchte, hatte ihnen einen noch weit abſcheulicheren Plan eingegeben. Sie umringten daher den armen Geiſtlichen aufs Neue, und erklärten ihm, daß die Sorge für ihre perſönliche Sicherbeit ihnen gebiete, ſich ſeiner zu entledigen, daß er daher ſeine Seele Gott empfehlen und ſich zum Tode bereiten müſſe. Die Todesart wollen ſie ihn ſelbſt wählen laſſen; er wird auf dem Plaze mit Stöken erſchlagen, oder im Teiche erſäuft werden, wenn er dies vorzieht. Nach einem vergeblichen Wi⸗ derſtand und vergeblichen Bitten, erinnert ſich Hr. Simon, daß er ſchwimmen kann, er denkt, daß vielleicht ein unerwarteter Umſtand ihm helfen werde, und wählt den Teich. Man zieht ihm nun ſeine übrigen Kleider' vollends aus, hängt ihm einen ungeheuren Stein an den Hals, bindet ihm die Hände, und wirft ihn in das Waſſer; darauf entfernten ſich die Mörder, und führen das Pferd mit ſich fort, ſie glauben, daß ſie nun jede Spur ihres Verbrechens haben verſchwinden machen. Sie gehen ungefähr eine halbe Stunde weit, und klopfen an einem Gaſthauſe an; ſie laſſen ſich das Nachteſſen geben, ſtel⸗ len das Pferd in den Stall und legen ſich ruhig zu Bett, wie Leute, die ein gutes Gewiſſen haben. Während der Zeit hatte der unglükliche Simon lange mit dem Tod gekömpft, und ſich ſo gut als möglich auf der Oberfläche des Waſſers erhalten, endlich war es ihm gelungen, eine ſeiner Hände von den Striken loszureißen, mit großer Mühe hatte er alsdann das Seil am Halſe aufgeknüpft, und durch die Hoffnung einer baldigen Befreiung aufgemuntert, hatte er dann ſeine lezten Kräfte angeſtrengt, um an das Ufer zu kommen, das er endlich geſund und wohlbehalten, aber von Mattigkeit erſchöpft, erreichte. Er iſt nun am Lande, er dankt Gott für ſeine wunderbare Rettung. Aber wo ſoll er hingehen, um dieſe Stunde und in einem ſolchen Zuſtande? Endlich entſchtießt ſich Simon, im erſten Hauſe, das er antreffen wird, um Aufnahme zu bitten, und geht weiter. Der Zufall, oder vielmehr die Vorſehung führt ihn an ein Gaſthaus; er klopft an, eine Magd öffnet das Fenſter und frägt, was er noch ſo ſpät verlange. Der Pfarrer antwortet, daß er ein Bett wün⸗ ſche um auszuruhen, und bittet die Magd, ihm eine Deke heraus zuwerfen, damit er ſich einhüllen und anſtändig vor ihr erſcheinen könne, da er nakt ſei. Die Deke wird herausgeworfen, und da das große Eingangsthor geſchloſſen iſt, ſo öffnet man ihn, um ihm hereinzulaſſen, eine andere Thüre, die in den Hof führt; er tritt herein, und da er vor dem Stalle vorbeigeht, erkennt ihn ſein Pferd, vermuthlich durch das Wittern, und fängt aus Freude an zu wiehern. Hr. Simon bleibt ſtaunend ſtehen; er geht in den Stall und erkennt nun ebenfalls ſein treues Pferd. Er läßt den Herrn des Hauſes weken, frägt ihn, ob nicht 3 Männer, die er beſchreibt, bei ihm eingeſprochen haben. Da dieſer es bejahet, ſo erzählt er ihm die Frevelthat, deren Opfer er geworden. Man läßt Gend' armen holen, und die 5 Räuber werden einen Augenblik her⸗ nach noch mit ihrer Beute verhaftet. Sie wurden der Juſtiz ausgeliefert und erwarten jezt im Gefängniſſe die gerechte Strafe für ihr Verbrechen, und der gute Hr. Simon dankt täglich dem Himmel, der ihn einem Tode, welcher ihm ſicher ſchien, ſo wunderbar entriſſen hat.