Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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quirte. Es war übrigens ein gutes Herz, obne Arg und ohne Hehl, dem wir es gerne gönnten, ſich jenen Glüklichen beizuzählen, die nicht einmal Zeitun⸗ gen leſen, ſich aber dadurch wenigſtens des Vergnügens berauben, das ihnen ſonſt die Voks⸗ Kreuz⸗ und Querſprünge ihrer zank⸗ und konſtitutionsſüch⸗ tigen Zeitgenoſſen rund um ſie her unfehlbar verſchaffen müßten.

Der Nächſte, welcher uns mit ſeinem Vertrauen regalirte, war ein engliſcher Gentleman, der des Deutſchen vollkommen mächtig, des Franzöſi⸗ ſchen und Italieniſchen zum Bewundern kundig, einen ſehr gebildeten Geiſt ahnen ließ, und theils zu ſeinem Vergnügen, theils um des allerdings nicht zu verachtenden Honorars, das ihm Mittel zu einer angenehmeren Tubſiſtenz ver ſchaffte, ſich dem Unterrichte in ſeiner Mutterſprache widmete, bei welchem Geſchäfte ſeine beſondere Geſchiklichkeit und angenehme Gabe: zu unterrich⸗ ten ſehr gerühmt wurde. Der humoriſtiſche Britte, der dieſe geiſtreiche Eigenthümlichkeit ſeiner Landsleute in vollem Maße geltend zu machen ver⸗ ſtand, wußte uns, außer manchen erzkomiſchen Zügen aus dem Leben und Trei⸗ ben ſeiner Scholaren, mit denen er, ſeiner liebenswürdigen Natur nach, in der Negel im beſten Einvernehmen ſtand, und einigen ländlichen Abenteuern, weder Gutes, noch Schlimmes von ſich zu erzählen, außer einem Opfer, das er ſich ſelbſt, der Nechtſchaſſenheit und vielleicht auch einer reizenden Schülerin brachte, deren oft wiederholter Anblik und Verweilen in ihrer Nähe, wie er uns ſehr ernſthaft verſicherte, ſeiner Ruhe hätte ſehr gefährlich werden können; weßhalb er den raſchen Entſchluß faßte, die Lektion unter einem weithergeſuchten ſchiklichen Vorwande aufzugeben.

(Veſchluß folgt.)

ñ

Wundervolle Rettung. (Wahre Begebenheit.)

Vor einigen Wochen iſt auf der Straße von Lyon nach Paniſſiere ein abſcheuliches Verbrechen begangen worden. Die Umſtände deſſelben ſind ſo außer⸗ ordentlich, ſo romanhaft ſogar, daß wir noch Bedenken tragen würden, ſie unſern Leſern bekannt zu machen, wenn nicht ein achtungswürdiger Geiſtlicher aus der Nähe des Ortes, wo der Mord verübt worden iſt, und ein Freund des Schlachtopfers, nämlich der Hr. Pfarr-Verweſer von Valbenoite, nahe bei Saint⸗Etienne, uns die Wirklichkeit derſelben verbürgte. Hier folgen die nähern Angaben, deren Wahrheit er uns bezeugt hat: Hr. Simon, der Pfar⸗ rer eines kleinen Dorfes im Loire-Departement kehrte eines Abends, auf ſeinem friedlichen Pferde, ruhig in ſein Pfarrhaus zurük, als er plözlich am ufer eines großen Teiches von 3 Vöſewichtern angegriffen wird. Es iſt ihm unmöglich, den geringſten Widerſtand zu verſuchen, und der arme Pfarrer läßt ſich ohne ein Wort zu ſagen, ſeinen Leibrok, ſeine alte goldene Uhr, ſein Pferd und das wenige Geld, das er bei ſich hatte, um es den Armen aus zu⸗ theilen, nehmen. Als die 5 Uebelthäter ihren Raub vollbracht batten, ſo entfernten ſie ſich, und ließen ihr Opfer, welches ſich noch glüklich ſchäzte, mit einer völligen Plünderung davon gekommen zu ſein, vor Kälte zitternd, am Ufer des Waſſers ſtehend. Hr. Simon wollte ſich in der Gegend umſehen,