Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
11
 
Einzelbild herunterladen

11 JjjJ. Pontius in Credo, oder wie manche verſiftzirte Gedanken in bie Gedichte for⸗ eirter Poeten, nämlich durch die Reimtrommel! Und welche Mühe hat nicht oft ſelbſt das wahre Genie, wird ſie auch noch ferner haben, und zwar immer mehr, ſich Bahn zu brechen und ſeine Stelle zu finden? Genug! mein poetiſcher Märtyrer, mein moderner Cervantes legte ſeine Konfeſ⸗ ſion ab. Er hatte nicht mehr, und nicht weniger, als 260 poetiſche

komiſches Heldengedicht, entworfen zu zehn Geſangen, wovon aber vor der Hand erſt zwei und ein halber Geſang vollendet waren. Er las uns, da wir neugierig waren, das Charakteriſtiſche dieſes Machwerks etwas kennen zu ler⸗ neu, zu großer Erbauung aus dem Einleitungsgeſange einige Stellen vor. Es war eine Art von Reineke Fuchs. Die handelnden Perſonen waren aus dem geſammten Thierreich genommen; der Gegenſtand ſelbſt ſollte die Weltereig⸗ niſſe der lezten 40 Jahre andeuten und all' die wahrhaft lächerlichen Beſtre⸗ bungen und Bewegungen der Tonangeber über'm Rhein mit ihren du zendwei⸗ ſen proſtituirten Konſtitutionsverſuchen, ihre Nachbeter und Gözendiener bis zur heutigen Tage der Geißel der Satyre übergeben. Ein artiger Gedanke, wenn er erträglich ausgeführt würde! Er geſſel. Zum Schluſſe geſtand er noch reuig die Sünde, mit ſeinem Stande unzufrieden zu ſein, und den Wunſch, ſich dem Vegaſus auf den Rüken zu werfen. Wir riethen ihm mit einem Munde davon ab. Er ſchien ganz verduzt darüber; konnte aber am Ende unſerm proſaiſchen Haupteinwurf: Ein Stük Brod in re iſt beſſer, als ein Goldberg in pe nichts erwidern, als ein nichtsſagendes Achſelzuken und ein bitteres Lächeln, wobei es ſein Vewenden hatte. Denken mochte er denn doch, daß wir eigentlich ſo Unrecht nicht haben möchten.

Der Vierte, welcher mit der Sprache herausrüken ſollte, war ein jun⸗ ger Angeſtellter, ein Menſch, der, weil ſeine Eltern, ehrliche Bürgersleute (wie es heutzutage leider! oft genug der Fall iſt),etwas Rechtes, wie ſie zu pflegen, aus ihm machen wollten, die Humanitätsſtudien vollendet, und die Brobdſtudien abgebrochen hatte, ſomit für eine höhere Anſtellung eben ſo wohl, als für das Gewerbsfach verdorben, nur mehr eine ſubalterne Anſtel⸗ lung ambitioniren konnte. Es war durchaus ein unſchuldiges Lamm. Aus ſei⸗ ner kurzen Mittheilung entnahmen wir, daß er ſich in der That nichts vor⸗ zuwerfen haben konnte, als die größte Zeitverſchwendung außerhalb ſeiner Berufsſtunden. Freilich eine theure, unendlich koſtbare Verſchwendung aber in einer großen RNeſidenz, wie Wien, eine ſo große Gewohnheitsſünde, daß ſie, wie alle Gewohnheitsſünden, gar nicht mehr für eine Sünde gehalten wird. Die gute Seele geſtand uns offen, daß, wenn es ihm ja begegnet ſei, ein Buch zur Hand genommen zu haben, er ſchon bei dem Leſen der dritten Seite Kopfſchmerz bekomme. In einer Beziehung iſt er glüklich zu preiſen; weil ihm da viel tolles Zeug, das manchem andern neugierigen Vielleſer durch den Kopf läuft, nicht in die Hände geräth. In ſeinem Falle befinden ſich in Wien gar viele junge Herren, ſogar von ſogenanuter guter Erziehung. Wir ergezten uns an der Offenherzigkeit, mit welcher er ſich über ſich ſelbſt mo⸗