Jahrgang 
Band 1 (1835)
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Auch meine Leier will ich dir beſaiten,

Daß es erfreulich in dir kling' und ſchalle, Und allverehrt in alle Land' und Weiten

Dein Nam' als Loſungswort des Glükes halle le

So rief ſie, begeiſtert, und abwärts glitt ihr Blik, und folgte dem Laufe eines mächtigen Stromes, und über den Strom dem mondförmigen Zug eines Gebirges, und ruhete wieder lange mit Wohlgefallen au feine m Lande das jenem Herzen zunächſt lag, und leuchtete wieder in ſeliger Verklärung.

Da konnt' ich mich nicht länger halten; ich glaubte den Sinn der wohl thätigen Unbekannten durchblikt zu haben, und flog in euere Mitte, theu⸗ ere Brüder, um euch die Segenskunde mitzutheilen, und mit euch anzuſtoßen Hauf die ſegenskündende Ankunft der Erwarteten!

So rief der Poet und ergriff das dampfende Glas, und ein Gleiches thaten die Uebrigen, und ein rauſchendesWillkommen! tönte der heilbrin genden verſchleierten Da me.

Die Nacht zerfloß allmälig in Dämmerung; freundlich ſtieg die Sonne im Oſten empor; auf den Straßen wurde es lebendig; man begrüßte ſich, be⸗ glükwünſchte ſich, ſprach von der Angekommenen, und wußte nun auch ihren Namen. Sie war aus ihrem Inkognito bherausgetreten, und hatte ſich zu erkennen gegeben, als die jüngſte Tochter der Zeit: Das neue Jahr! Ihr nächtlicher Segensſchwur aber war das tröſtliche Vrognoſtikon für Eur o pa's Herz:Oeſterrei ch, und für das Neich, das dieſem Herzen am nächſten liegt:Das biedere Magyaren⸗Land!

Die Neujahrnachtsgeſellſchaft.

Es war der lezte Tag des Jahres. Nachmittags hatte ich einem Freund begegnet, der mit, an ihm gewohnten jovialen Lächeln, freundlichem Auge und feiner Stimme die Frage an mich ſtellte:Nun, auf welche Weiſe denken Sie beute das Jahr zu beſchließen?«« Da ich an nichts weniger, als daran gedacht hatte, das Jahr auf eine abſonderliche Weiſe zu beſchließen, ſo daß es allenfalls der Mühe lohnte, darüber ein Wort zu verlieren: ſo war ich gleichſam um eine Antwort verlegen; ſah ihn einige Augenblike ganz ver blüfft an, und ſagte dann:Zu Hauſe; auf der Stube; allein; etwa bei einem warmen Glas Vunſch. Sie kennen ja meine Gewohnheit, die Bilder des abgelaufenen Jahres in der Mitternachtsſcheideſtunde an mir vorüberziehen zu laſſen, und Einiges dabei in Ueberlegung zu nehmen.

Nun wohlan! erwiderte er.Wollten Sie nicht einmal von Ihrer Gewohnheit abweichen und dieſe allerdings intereſſante Stunde in Geſellſchaft fröhlicher Freunde hinbringen? Begleiten Sie mich heute Abend. Ich, ſelbander der 11 te, habe es über mich genommen, den 127ten Mann zu bringen.

Ich rief: Topp! und ſchlug ein. Wir verſprachen uns in einigen Stun⸗ den zu treffen. 5