835 Laune zu erbalten. Alles, was oben mit dem Worte muß geſagt worden, iſt nicht Unterthänigkeit, ſondern Kontrakt, Uebereinkunft, und ganz allein zu ih⸗ rem höchſten Vortheil. Sie erhält am Tage der Hochzeit in ruſſiſchen oder preu— biſchen Staats-⸗Obligationen dreißigtauſend Gulden, wovon ſie aber die Zinſen jährlich nach ihrem Willen verzehren muß, weil nichts abſcheulicher iſt, als das ſchändliche Laſter des Geizes. Sie darf nach Abſprache nicht tanzen, weil ich meine Frau nicht wie eine Närrin umherhüpfen ſehen will. Wenn ſie Vermögen hat, ſo will ich es nicht angeheirathet haben, ſie kann damit machen, was ſie will, ſo wie mit den Zinſen ihrer Morgengabe; es dürfen die Zinſen nur nicht nach den Grundſäzen der Geizigen kapitaliſirt werden, weil es nichts Dümmeres in der Welt geben kann, als für Andere zu ſparen. Die Freuden des Lebens in ewi— ger froher Laune zu genießen, iſt mein Grundſaz und Lebensweisheit.“— Wie
zu erwarten ſtand, hat dieſe Aufforderung bereits der Mänchener Tagespreſſe Stoff zu Wizen gegeben.
Das Haus Rothſchild.
Vor noch nicht ſechszig Jahren wußte kein Menſch etwas von einem Hauſe Rothſchild. In einer engen Gaſſe zu Frankfurt a. M. wohnte ein Handelsjude, Namens Nothſchild, aber wer bekümmerte ſich um dieſen? Jezt iſt das Haus Rothſchild in der ganzen Welt bekannt, und wo iſt ſeit den lezten drei Dezenien eine Staatsanleihe gemacht worden, ohne daß ein Rothſchild ſeine Hand im Spiel gehabt hätte? Wo wurde eine wichtige Geldfrage verbandelt, ohne daß man dem Rothſchild zwei Staffetten geſchikt hätte, ſeinen Rath einzuholen? Das Haus Nothſchild iſt gegenwärtig das erſte Banquierhaus der Welt, daß Geſchik der Welt ruht in ſeiner Hand, denn„es hat den Beutel“ und zwar den vol⸗ len.— Vor etwa vier Jahrhunderten trug ſich eine ganz ähnliche Geſchichte zu. Da war ein armer Mann, Namens Fugger, aber ein geſchikter Weber. Der nahm ein Weib aus Augsburg und ward dadurch Bürger von Augsburg. Da— durch gewann er ſich Anſehen und Geld, und ſeine Enkel waren bereits im Stande, dem Kaiſer Maximilian eine Viertelsmillion Dukaten vorzuſchießen; Anton aber, der Urenkel des Webermeiſters Johannes, hinterließ auf den vie⸗ len Liegenſchaften und Juwelen und Koſtbarkeiten, die er beſaß, ſechs Millio⸗ nen Goldkronen baar. Von nun an wandte ſich die Familie vom Handel ab und ward anſäßig in den Ländern und kaufte Varonien und Graſſchaften und Fürſtent hümer, und erwarb ſich das Recht, ſelbſt Gold und Silber zu münzen. Jezt aber ſind die Fugger— was andere mediatiſirte Grafen auch ſind, und ſuchen blos zu erhalten, was ſie haben.— Könnte man nicht bei dem Hauſe Rothſchild eine ganz ähnliche Richtung erkennen?
Aktien- Geſellſchaft für Armuth.
Vei dem jezigen wirklich ungeheuern Fortſchritt der materlell produktiven Thätigkeit, der Erfindungen, Verbeſſeruugen, Neuerungen, iſt der Ver fall ein⸗


