Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
834
 
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bildenden menſchlichen Geſellſchaftzlzu beobackten. Solch ein Freund fehlt mir, denn die Leute, mit denen ich hier lebe, haben gar keine Vorſtellung vom Schö nen, Hohen und Geiſtigen; ſie laufen herum ohne Gefühl, ſie üben die Reli gion ohne Erhebung; es ſind wahre Yankee's, die gehen und kommen, ſpekuli⸗ ren und in dem Er habenſten Nichts ſehen, wenn dabei nichts zu gewinnen iſt. Wollte man ſie denken und fühlen lehren, ſo würde ſie dies zum Tod langwei len und ſie würden überdies von ihrem Lehrer einen ſehr geringen Begriff be⸗ kommen, ihn wenigſtens für einen Schwachkopf halten. Du begreifſt, lieber Ludwig, daß ich mich bei ſolcher wenig anſprechenden Menſchenumgebung gar manchmal nach Europa zurükſehne, wenigſtens zu dir, an dem ich in meiner Kindheit mit ſo ungeſtümer Liebe hing. Auch du würdeſt mich wohl gern wieder ſehen, denn ſchon lang habe ich die Kavallerie vergeſſen, und was ich dieſſeits und jenſeits des Ozeans vom Advokatenſtand geſehen habe, mußte meine Vor⸗ liebe dafür ſehr erkalten. Wenn ich je eine Reiſe nach Europa wache, ſo ge⸗ ſchieht es, weil du mich mächtig dahin ziehſt.(Morgenblatt.)

Ein Heirathsgeſuch.

Der Münchner Eilbote enthält ein Heirathsgeſuch des unter dem Namen Eremit von Gauting bekannten Freihern von Hallberg. Darin heißt es: er ſei zwar nach dem Kalender 70 Jahre alt, nach ſeinen Kräften aber erſt 7 und ferner:Diejenige, welche ich heirathe, muß von 16 bis 20 Jahre alt ſein, ſchöne Haare, ſchöne Zähne, und ſchöne, kleine Füße haben; ſie muß von ehr⸗ lichen, braven Eltern abſtammen, und ihr Ruf ohne allen Makel ſein. Sie muß ſich ſehr ſchön und einfach in Seide oder Sammt kleiden, aber durch aus in keine andern Stoffe, auch darf ſie keine Ohrgehänge, Ketten, Ringe oder dergleichen Unſinn tragen, auch keine Pantoffeln, Hauben, Bänder, falſche Haare u. dergl., und nie ihre Kleider nach der beſtehenden Mode machen laſ ſen, da es nichts Dümmeres geben kann, als dem Kühgang anderer Menſchen zu folgen. Sie ſoll die Kleider nach ihrem eigenen Geſchmake machen laſſen und tragen, unbekümmert, was der Weiber Modepöbel darüber ſagt. Sie muß rei ten und fahren können, oder es erlernen. Sie darf nie ſtriken, weil dieſes Fin gerſpiel eine Maske gegen die Dummheit iſt. Sie darf nur Muſik machen, wenn ſie es zur Virtuoſſtät gebracht hat, da es unangenehm iſt, das dumme, einfäl tige Geklimper anzuhören, womit die Alltäglichkeit in ſo vielen Häuſern die Beſuchenden langweilet. Sie iſt im Hauſe und über alle Ehehalten(Dienſtbo ten) unumſchränkte Herrin; ſo wie ich ſelbſt Vergnügen daran finde, mich nach ibrer vernünftigen Laune zu fügen, da mir das dumme, ſklaviſche Gehorchen und die Unterthänigkeit höchſt zuwider ſind. Sie muß mich aber überall auf Reiſen und wo ich hingehe begleiten, weil es in meinem Gefühle eine Schan de für die Männer iſt, den Tag und ganzen Abend umherzulaufen, und in Wirthshäuſern zu ſchwelgen, indem die Frau allein zu Haus der Langweile über geben iſt. Dann darf ſie nicht, wie es in den meiſten Ehen geſchieht, ihre Weib lichkeit vergeſſen, und ſich her ablaſſen, ihren Mann zuerſt zu liebkoſen, wie man⸗ ches ſchöne, edle Weib gezwungen iſt, zu thun, um ihren Tölpel bei guter