Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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einer romantiſchen Leidenſchaft, ſondern ein bloßes Etabliſſement. Es handelt ſich dabei nur darum, die Thätigkeit einer Gefährtin mit der eigenen zu verei nigen und alle Jahre ein Kind mehr zu haben, denn Kinder ſind hier ein ar beitendes, einträgliches Kapital. Ein wohlhabender, gewerbthätiger, in Ge ſchäften geſchikter und kluger Mann mag, wenn er nur ſonſt geſund iſt, ſo un⸗ geſtalt und häßlich ſein, als er will, er kann um die ſchönſten Mädchen des Landes freien, ſie werden ihn lieber heirathen als den ſchönſten jungen Mann, der ſein Land nicht anzubauen und keinen Handel zu treiben oder zu ſpekuliren verſteht. Ich lobe dies für Nichtbukligte gerade nicht, wir aber finden unſere Rechnung dabei; in Europa iſt uns dagegen Alles zuwider. Wenn ich mit mei⸗ nem Geſchäft ſinn in dieſem Lande geboren und erzegen wäre, ſo würde ich ſehr reich und dadurch die beſte Partie geworden ſein, die Mädchen hätten ſich um mich geriſſen, während mich zu Haus Keine mochte. So verſchieden iſt die öffent liche Meinung hier und dort. Schikt alle eure Bukligten hierher, es ſoll ihnen nicht aa Frauen fehlen. Bei dem Wort öffentliche Meinung fällt mir ein, wie du mir Angſt vor dieſer erbärmlichen Megäre machen wollteſt. Sie herrſcht hier wie dort, nur anders. In Amerika ficht einen Bukligten nichts an, er macht ſei nen Weg wie ein Gerader und Wohlgebauter; nirgends ſtößt er auf Hinder niſſe, wenn er nur thätig, gewerbſam und halb und halb ehrlich iſt. Er verheirathet ſich, wird Vater, Vorſteher u. ſ. w. Wenn hingegen in dieſem von Volks herr⸗ ſchaft, Freiheit und Gleichheit ſtrozenden und lärmenden Land ein ſchöner, klu ger, durchaus redlicher und edler, aber ſchwarzer Mann auftritt; wenn man ihm Güte, Großmuth und Liebenswürdigkeit nachrühmen muß, wenn er aber ein Mulatte iſt; wenn man ihn wegen ſeiner Thätigkeit und Gewerbſamkeit lobt, er aber ein Quarteron iſt: ſo haftet nach hieſiger Meinung an dem Mann ein entſezlicher und unverwiſchbarer Schmuz- und Schandflek, er ſieht ſich über all zurükgeſtoßen und verachtet, er iſt unerbittlich von aller Gemeinſchaft der Liebe, Freundſchaft und Geſellſchaft der Weißen ausgeſchloſſen; er kann kein wei ßes Mädchen heirathen, wäre ſie auch noch ſo gering, er darf ſich mit Weißen nicht an Eine Stelle ſezen, im Theater, und ſelbſt in der Kirche iſt er abge pfercht. So will es die öffentliche Meinung in Amerika, in dem ſogenannten Land freier Meinung, in dem Land, das ſtolz iſt auf ſeinen reinen Republika nismus, auf ſeine Theorien von Demokratie, Freiheit und Gleichheit! In die ſem freien Lande wird der mit Wort und That miß handelt, der von dem Un⸗ recht der Sklaverei ſpricht und behauptet, die ſchwarzen und kupferfarbigen Menſchen ſeien, wie die weißen, Menſchen mit Menſchenrechten! Wenn man in Europa gegen Bukligte und Aus gewachſene hie und da hart und ungerecht, manchmal ſogar grauſam iſt, ſo liegt dieſem doch wenigſtens eine wirkliche Ent ſtellung zum Grunde, die allerdings manchmal zurükſtoßend iſt; auch wiſſen die ſo unbilligen Leute recht gut, was ſie thun, ſie nennen ſich nicht großmüthig, menſchlich vor Andern, ſie rühmen ſich nicht ihrer Milde und Güte, wie hier zu Lande die Anhänger der Sklaverei und die grauſamen Feinde der Schwarzen.

Laſſen wir dieſen traurigen Gegenſtand! Ich könnte dir dagegen von einer Menge anziehender Dinge ſprechen, wenn ich nicht daran denken müßte, dieſen Brief zum Schluß zu bringen. Welch Glük wäre es für mich, einen gebildeten, fühlenden Freund, wie du, bei mir zu haben, mit ihm die Erſcheinungen einer wundervollen, jungfräulichen Natur und einer ſich aus den erſten Elementen